Donnerstag, 29. September 2022

MaliCrew goes Berlin Marathon 2022...

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Berlin Marathon 2022
Berlin Marathon 2022

Links vor mir dreht sich Mario rum... "Wir sind gleich da, Matze!". Nicht mehr weit. Ich zähl schon eine Weile die Kilometerschilder. Laut meiner Uhr sind wir eigentlich schon da, aber die ist ja vor ca. 7km ausgestiegen und zeigt mir alles mögliche an, aber nichts was Sinn macht. Ich versuche an ihm dranzubleiben, wir ziehen das hier schon so lange zusammen durch. Soll ich ihn einfach weglaufen lassen, jetzt, so kurz vor Schluss? Nein, wir beenden das zusammen. Sind sicher noch ein paar Körner da, die ich gerade irgendwo in den Tiefen meiner Waden, Oberschenkel und Lungen zusammenkratze. In letztere strömt immer wieder die Berliner Luft, die Atemfrequenz ist echt noch in Ordnung. Die Beine halten durch. Schwer sind sie dennoch. Die Füße sind Matsch, ich spüre die Blase am rechten Fußballen. Die Ermüdung steigt seit einer Weile, langsam, aber stetig. Kurz darauf sehen wir das Brandenburger Tor, wir sind da... Aber von vorne: Am Samstag sind wir hier in Berlin angekommen. Sachen abgeben und erstmal los zur Marathonexpo. Ein wenig drüberschlendern und schauen was es so gibt. Der Flughafen Berlin-Tempelhof macht Eindruck, auch wenn er gar nicht so riesig ist. Die Abfertigungshalle mit den stillgelegten Check-In Schaltern sieht aus, als würde sie immernoch auf Fluggäste warten. Aber niemand checkt hier mehr ein. Es geht gerade durch zur Expo. Dort gibt es so ziemlich alles was das Läuferherz begehrt. Die Starnummernausgabe, natürlich am Ende der Expo, man soll ja an allen Ständen mal vorbeilaufen 😉, funktioniert tadellos und schnell. Startpass vorlegen, Startnummer holen, fertig. Ich hab mich für die Kleiderbeutelvariante entschieden. Alternativ gäbe es einen Poncho nach dem Marathon, aber vor dem Start darf man keine Rucksäcke, sondern nur den Kleiderbeutel in den Startbereich mitnehmen und dort abgeben. Da fällt die Wahl leicht. Ich schau nach Gels, nehme mir hier und da ein paar mit, zum rumprobieren im Training. Oft wird man direkt englisch angesprochen.  Kein Wunder bei der breite an Nationen die hier vertreten sind. 

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Obligatorisches Startnummerfoto
auf der Marathonexpo

Wir halten für das obligatorische Startnummernfoto Ausschau nach einem passenden Platz und finden bald was. Viele Fotowände sind voll mit Menschen, hier steht man lange an. Nach dem Foto noch was essen gehen, dann wieder zurück in die Stadt. Ich fühle mich immernoch leicht verschnupft und mach alles davon abhängig wie ich morgen früh fühle. Wenn es nicht besser wird, starte ich nicht. Die Gesundheit geht vor. Mit leichtem Schnupfen ne halbe Stunde locker joggen gehen ist ja okay. Aber einen Marathon laufen? Vielleicht nicht ganz so cool. Ich werde heute nicht alt und hau mich eine Tablette später, gegen 22:00 Uhr ins Bett... Es ist noch dunkel, als am Morgen Wecker geht. Ich bin dennoch hellwach. Fasse mir an den Hals, alles top. Die Nase? Passt. Ich mach's! Ich stehe auf und mach mir eine Schüssel voll Müsli, dazu besten heißen Tee. Punkt 07:00 Uhr will ich in der U-Bahn sitzen. Die anderen pennen direkt am Hauptbahnhof im Hotel, Treffpunkt ist um 07:30 Uhr dort. Die U-Bahn Linie 6 bringt mich von Wedding zur Friedrichstraße, von wo aus ich mit der S-Bahn eine Station weiter zum Hauptbahnhof fahre. Durch meine Kopfhörer singt mir Shirley Davis was ins Ohr, perfekt um die Aufregung etwas zu dämpfen. Angekommen am Hotel, die restlichen MaliCrewler abholen. Alle da, alle fit. Kann losgehen. Wir laufen rüber zum Reichstag und machen uns im Start/Zielbereich auf den Weg zu den Ständen, an denen wir unsere Kleiderbeutel abgeben können. Hier und da muss man ein Stück weiter zu seinem Stand laufen, alles nach Startnummern sortiert. Die Suche dauert nicht lange und notfalls hilft einer der unzähligen Volunteers. Wir bewegen uns Richtung Startbereich und schlendern dort noch ein wenig rum. Etwa gegen 09:30 Uhr soll unser Block starten. Wir finden uns langsam dort ein. Hier und da war jeder nochmal für sich selbst unterwegs. Mario, Thomas, Mic und ich stehen bereit. Aber von Micha keine Spur. Die Profis starten unter dem Applaus der Läufer und Zuschauer. Die Bedingungen sind ein Traum. Leicht bewölkt, wenig Sonne, nicht zu warm, nicht zu kalt. Endlich dürfen etwas später auch wir ran. Die Läuferschar setzt sich in Bewegung. Langsam geht es Richtung Startlinie. Das Feld lockert sich und wir laufen los, über die Startlinie und Play auf der Uhr gedrückt, machen wir zusammen die ersten Schritte der 42,195km durch Berlin. Thomas will es etwas gemütlicher angehen und lässt sich zurückfallen. Nach 2km nimmt auch Mic mal kurz raus und ich laufe zu zweit mit Mario weiter. Eigentlich sollte Micha hier auch dabei sein, der ist aber weit und breit nicht zu sehen. Wir halten dennoch hier und da die Augen nach ihm offen, vielleicht entdecken wir ihn irgendwo. Hier laufen viele interessante Menschen mit. Ninja, Supergirl, König. Irgendwann überholen wir jemanden, der einen Baumstamm mit sich rumträgt. Krasser Typ. Es purzeln die Kilometer nur so runter und wir halten unser Tempo. Die Verpflegungsstationen alle paar Kilometer geben alles was man braucht. Nach 10km fühlt sich alles noch super gut an. Nach 15km auch, das geht schnell hier. Die Leute am Rand machen Party, Bands von Jazz über Klassik, Feuerwehrkapellen und Punkrock, runden das Programm am Straßenrand ab. 

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Man wird fast durchgetragen

Mario wird irgendwann zum Star der Zuschauer. Ich hab nicht mitgezählt wie oft ich seinen Namen gehört habe. "You doing a good Job!", "You're looking good!", "Yeah, Mario!". Aber auch ich werde ab und zu angefeuert. Das macht richtig Spaß hier. An den Verpflegungsstationen verlieren wir uns manchmal kurz, finden uns aber schnell wieder. Bei km 20 ist Mario plötzlich dennoch weg. Ich laufe einen knappen Kilometer alleine, nehme etwas Tempo raus und höre ihn hinter mir rufen. Da isser wieder. Irgendwie klappt das trotzdem alles. Kurz darauf komme ich in ein kleines Tief. Nach 25km hab ich ein erstes Loch, ziemlich früh, aus dem ich mich aber schnell wieder rauslaufen kann. Auch Dank der jubelnden Massen am Straßenrand, die einen hier fast durch die Straßen tragen. Bei km 30 überholen wir eine Frau, etwa 1,50m groß, drahtig, mit geschätzt etwas mehr als 70 Jahren Lebenserfahrung, und sicher mit einer 5er Pace unterwegs. Chapeau! Die rockt das! Irgendwann steht einer am Rand und brüllt in die Menge, dass Eliud Kipchoge mit neuem Weltrekord gewonnen hat. Unglaublich! Die Leute treiben uns weiter nach vorne, es wird dennoch langsam hart, aber immerhin bis km 35 lief alles glatt. Wir schreiben km 41 oder so... Links vor mir dreht sich Mario rum... "Wir sind gleich da, Matze!". Nicht mehr weit. Ich zähl schon eine Weile die Kilometerschilder. Laut meiner Uhr sind wir eigentlich schon da, aber die ist ja vor ca. 7km ausgestiegen und zeigt mir alles mögliche an, aber nichts was Sinn macht. Ich versuche an ihm dranzubleiben, wir ziehen das hier schon so lange zusammen durch. Soll ich ihn einfach weglaufen lassen, jetzt, so kurz vor Schluss? Nein, wir beenden das zusammen. Sind sicher noch ein paar Körner da, die ich gerade irgendwo in den Tiefen meiner Waden, Oberschenkel und Lungen zusammenkratze. In letztere strömt immer wieder die Berliner Luft, die Atemfrequenz ist echt noch in Ordnung. Die Beine halten durch. Schwer sind sie dennoch. Die Füße sind Matsch, ich spüre die Blase am rechten Fußballen. Die Ermüdung steigt seit einer Weile, langsam, aber stetig. Kurz darauf sehen wir das Brandenburger Tor, wir sind fast da.

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Ab durchs Brandenburger Tor

"Eigentlich müsstest du jetzt die GoPro rausholen", sagt er. Ich hatte die schon gar nicht mehr auf dem Schirm. Ich mach meinen Laufgürtel auf und kram die Kamera raus. Ja, durchs Brandenburger Tor könnte das echt gut aussehen. Wir laufen darauf zu und mitten durch, haben nur noch wenige hundert Meter vor uns. Plötzlich tut gar nichts mehr weh, immer wieder diese Endorphine. Da ist die Ziellinie. Über die Matte und Ende Gelände! Aufpassen wo man hinläuft. Links die Kotze von denen die es übertrieben haben, rechts die jubelnden, die sich alles gut eingeteilt haben. Die Medaille umgehängt und langsam aus dem Zielbereich herausgehen. 3:21:09h, das geht natürlich mehr als in Ordnung. Wir holen uns was zu trinken und gehen Richtung Reichstag. Wenn ich mich jetzt auf die Wiese setze, komme ich dann wieder auf? Egal, einfach probieren. Wo sind die anderen? Micha war schon vor uns im Ziel, kurz nach uns kam Mic, Thomas hatte mit Krämpfen zu kämpfen. Aber auch er kam heile an. Genau wie alle anderen der MaliCrew. Wir sitzen vorm Reichstag und tauschen uns aus. Mittlerweile scheint die Sonne, als hätten wir sie bestellt. Wir reden über Hamburg, nächstes Jahr, wir haben schon Bock. Mal sehen, was kommt. Aber ich würde schon gerne nochmal Kilometerschilder zählen...

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Endspurt ins Ziel

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Mic, Micha, Mario und ich.
Die MaliCrewler wieder zusammen.

Montag, 19. September 2022

Kuckuckslauf Kemmern

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Kuckuckslauf Kemmern
Und ab! Startschuss zum Kuckuckslauf in Kemmern!
Foto: SC Kemmern

"Hau mir jetzt bloß nicht ab..." Es ist Kuckuckslauf in Kemmern, nicht mehr allzu weit zum Ziel und Julian, der seit ungefähr 6km neben mir rennt, schaut leicht lächelnd rüber. "Ich versuch's" sagt er und dann ist es wieder still um uns. Was gerade in seinem Kopf vorgeht weiß ich nicht, aber ich weiß was in meinem vorgeht: ich bin schon die ganze Zeit verdammt dankbar ihn hier neben mir zu haben. Das Tempo würde ich alleine nicht laufen. Aber so zieht man sich gegenseitig voran. Wieder rechts rum auf die lange Gerade und dann ab in die letzte Runde. Unsere Jungs von der MaliCrew haben sich positioniert. Als erstes steht da Roland und motiviert. Etwas weiter vorne hat Hans-Jürgen nach jeder Runde einen mutmachenden Spruch drauf. Danke dafür! Andreas schießt 200m weiter vorne Fotos und feuert kräftig an. Das macht Bock. Auf der Strecke ist Stimmung. Die Start/Ziel Gerade geht steil. Trommeln und klatschende Hände peitschen einen nach vorne. Die vorletzte Runde ist vorbei. Nur noch zwei km, eine letzte Runde. Die Bedingungen passen. Vor einer Weile hat's noch nach Schüttregen ausgesehen. Aber die Wolken halten alles noch recht gut oben. Kühl ist es, nicht so warm wie zuletzt in Ebermannstadt. Auch das geht in Ordnung. Julian zieht vorbei. Der will nochmal Tempo machen. Das werd ich nicht mehr mitgehen können. Ich schaffe es mich trotzdem nochmal ranzulaufen und bin wieder neben ihm. Wir halten das Tempo und haben es nicht mehr weit. Welchen Schnitt wir laufen weiß ich nicht, ich schau nicht nach. Ich weiß nur dass es deutlich schneller ist als alles, was ich bisher gelaufen bin... Heute passt irgendwie alles. Hier in Kemmern lässt es sich ohnehin aushalten. Sehr schöne Siedlung, die wir fünfmal durchqueren dürfen. Ein paar schöne Fachwerkhäuser auf der Zielgeraden. Sehr flache und schnelle Strecke. Schon zum aufwärmen haben Micha, Teodor und ich eine Runde gedreht und den Ort begutachtet. Das wird Spaß machen! Auf der Fahrt hierher war die Motivation allerdings noch im Keller. Regen ohne Ende auf der A70. Das hat nichts gutes vermuten lassen. Angekommen war das Wetter aber plötzlich egal, denn schon der Lauf der Kids hat beim zusehen einfach Bock gemacht. Genauso wie die 4km des Jugend- und Hobbylaufs im Anschluss. Die Sambatrommeln machten einen heiß auf die Sache hier, und es ist nur noch leichter Regen, den man beim laufen ohnehin nicht bemerkt. Einreihen ins Starterfeld, Fistbumps: Micha, Berthold, Teodor. Nach dem Startschuss steppt hier der Bär. Da sind Raketen im Feld. Ich versuche das Tempo zu laufen, welches ich mir vorgenommen habe. Mal nicht überpacen hier. Hier und da noch jemanden überholt laufe ich Gefahr, wie sonst gelegentlich, plötzlich wieder alleine durch die Gegend zu rennen, und das kostet mental echt Kraft. 

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Kuckuckslauf Kemmern
Endlich mal nicht alleine.
Foto: SC Kemmern

Nach einer Weile höre ich wieder Schritte hinter mir und auch der nächste Läufer vor mir ist nicht allzu weit weg. Not alone here. Alles klar, häng dich ran, bleib dran so gut es geht und mach keine Experimente denke ich mir. Neben mir taucht das graue Shirt von Julian auf und der läuft genau das gleiche Tempo. Er bleibt neben mir und macht nicht den Eindruck es abreißen zu lassen oder weiterziehen zu wollen. Nice. Vorne einer der zieht, links einer der hält, hinten einer der Druck macht. Schauen dass es so bleibt, dann geht hier was in Sachen schicke Zeit. Das da vorne, neben dem Frauen Fürhrungsrad, muss Ingalena Heuck sein. Krass, die ist gar nicht weit weg. Was passiert hier gerade? Nach 5km bin ich immernoch auf Kurs meine Marke vom Kramp Run zu unterbieten. Wieder durch die Start/Ziel Gerade, die MaliCrewler feuern an, das gibt Schwung den man mitnehmen kann. In zwei Kilometern hast du das wieder. Das dauert nicht lange. Das macht echt Bock hier. In der Siedlung draußen stehen Kids, die abklatschen wollen. Auch das gibt Körner. Leute machen Musik, klatschen. Auch hier nimmt man immer wieder Kraft mit. Noch zwei Runden und wir laufen weiter, halten das Tempo. Die Beine wollen einfach nicht schwer werden. Soll mir Recht sein.

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Kuckuckslauf Kemmern
Mit Julian durch die Start/Ziel Gerade
Foto: SC Kemmern

Nach 7 Kilometern ein kleines Tief, jetzt nicht an irgendwas unnötiges denken. Schnell die Gedanken wieder in die richtige Richtung lenken und dranbleiben. Ich kann Ingalena Heuck da vorne immernoch sehen. Das Führungsrad neben ihr scheint näher zu kommen. Täuscht. Egal. Es geht in die letzte Runde. Ich merke dass Julian hier nochmal was raushauen will. Der wirkt echt noch frisch. Er entfernt sich langsam. Dranbleiben. Ich merke wie das Tempo schneller wird. Er schaut nochmal rüber, er will wegziehen. "Also wenn du hier heute noch was vorhast, kannst du meinetwegen los..." sage ich. Bis dann. Er zieht davon. Ein Stück geh ich noch mit, will mich aber nicht auf den Schluss zu abschießen. Das war bislang so genial gleichmäßig, den Tritt möchte ich halten. Julian ist weg und ich laufe das letzte Stück alleine durch die Zielgerade. Ich kann das richtig genießen. Bestzeit und wohl gar nicht so weit hinten. Links rein und ab über die weiße Linie stoppe ich die Uhr. 37:08min. Auf 10,23km. Laut Uhr war meine 10k Durchgangszeit bei 36:14min. Hätte ich vorhin auf der A70 nie gedacht. Da steht Julian im Ziel. Abklatschen. Durchschnaufen. Wir reden kurz miteinander, auch er lief heute eine neue PB. Glückwunsch! War cool neben dir! Vielleicht LÄUFT man sich mal wieder über den Weg. Hat echt Spaß gemacht! Roland und Hans-Jürgen sind da. Andreas kommt dazu. Die Endorphine kochen immernoch geilstes Żurek in meinem Kopf. Ein kurzer Plausch mit Ingalena und da kommt schon Teodor mit PB ins Ziel gebrettert. Kurz darauf kommen auch Berthold und Micha ins Ziel. Micha ebenfalls mit neuer PB! Glückwunsch nochmal an dieser Stelle! Geht da heute was in der Teamwertung? Am Ende steht für mich Platz 8, Platz 1 in der AK M30 und für uns ein genialer dritter Platz mit der MaliCrew auf dem Papier. Das war der Hit heute! Aber nicht zu lange rumstehen. Es wird kühl. Umziehen. Ab zum Sportheim. Allergeilster Kuchen: großes Lob, Leute. Vielen dicken Dank Kemmern. So kann das hier gerne Enden! Zuhause eine warme Dusche und ich bin wieder ein Mensch. Und what's next? Beim Dienstagslauftreff mit der MaliCrew wird auf jeden Fall erstmal ein ruhiger gemacht, denn am Sonntag steht der Berlin Marathon auf dem Plan. Da hab ich dann, wie Sonntags gewohnt, wieder Micha neben mir.

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Kuckuckslauf Kemmern
Ab ins Ziel!

Mittwoch, 7. September 2022

MaliCrew goes Fränkische Schweiz Marathon...

Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Fränkische Schweiz Marathon Ebermannstadt
Team MaliCrew goes Ebermannstadt

Ring-a-Ding, Ring-a-Ding schellt es vom Nachttisch... Es ist noch echt früh und der Wecker klingelt. Um 05:00 Uhr ist Zeit zum aufstehen. Viki ist direkt aufgerannt und macht sich was zu essen. Ich brauch noch fünf Minuten um drüber nachzudenken, warum man sich sowas am Sonntag gibt. Der Heilige Tag, zum chillen gedacht. Aber für uns, für die MaliCrew, stand heute der Fränkische Schweiz Marathon auf dem Plan. Nicht nur für uns, sondern für viele andere auch. Ich steh auf und wackel in die Küche. Kram aus dem oberen Fach meine Müslischale raus und füll sie mit meinem Selfmade Hafer-Kürbiskern-Leinsamen-Nussmischungs-Veganeseiweißpulver-Banenscheiben-Müsli auf. Dazu ein großer Schuss Hafermilch. Durchrühren und ein paar Minuten ziehen lassen. Schmeckt bestens! Danach bin ich schon wacher. Jetzt noch ordentlich hydrieren und dann läuft der Kreislauf auch schon wieder auf vier Töpfen. Kurz nach 06:00 Uhr das finale packen. Getränke, Riegel, Handtuch, was man eben so braucht... Tina und Niko stehen punkt 06:30 Uhr bereit, uns einzusammeln. Los gehts, Micha holen, der darf nicht fehlen. Alle an Bord und ab nach Ebermannstadt. Jetzt ist es hell. Neblig ist es auch, sieht toll aus. Macht schon Sinn so früh loszufahren, dann kann man die Bundesstraße noch nutzen, denn die wird in etwa drei Stunden nur noch berannt. Von Genussläufern, Pacern, Marathonneulingen, 10km-ballerern, Verrückten und Halbmarathonis, die um die Bayerische Meisterschaft laufen. Dazu kommen die Handbiker und ganz neu im Programm: Run and Bike. Es darf also ein überaus interessantes Programm erwartet werden. Wir kommen an und sind die ersten von unserem Trupp. Nach und nach trudeln aber auch die restlichen von der Gang ein. Es wird sich ausgetauscht, motiviert, angeheizt, durchgerechnet wann wer bereit stehen muss und es liegt ein Hauch von Nervösität in der Luft. Man macht sich allmählich zurecht. Die ersten Laufen sich warm, die nächsten gehen auf Ihre Positionen, in Ebermannstadt, in Muggendorf. Alles durchgetaktet. Der Plan steht und sieht gut aus. Wir haben hier drei Marathonstaffeln am Start. Eine reine 5er Ladiesstaffel mit Anja, Viki, Tina, Ines und Steffi, unsere 5er Mixed Staffel mit Roland, Micha, Niko, Tina und mir, und dann gibt sich Roland das ganze mit Thomas nochmal in ner Zweierstaffel. Dominik läuft den Marathon und Berthold und Podde hauen nen zehner raus, während sich Jürgen, Christin, Johannes und Gerd den Halbmarathon vornehmen. Das wird nice. Der Start rückt näher, noch ist es recht angenehm, was die Temperaturen angeht. Roland, Anja und Thomas sind unsere Startläufer für die Staffeln. Ab geht das. Wir warten an der Strecke. Etwas später, als dritter und nicht allzu weit hinter dem ersten Marathonläufer übergibt Roland das Startnummernband an Tina und sie macht sich auf und davon um es an Micha weiterzureichen. Auch Anja lässt nicht lange auf sich warten und kommt als führende unter den Frauenstaffeln auf Viki zugerannt, die sich auf den Weg nach Muggendorf macht. Dort wartet Tina dann im Anschluss an Ihren ersten Abschnitt und macht in der Frauenstaffel direkt weiter. Auch Roland ist direkt weitergezogen, der übernimmt später das Band von Thomas für die Zweierstaffel. Mitgekommen? So geht Staffel heute😀. Nach den ersten Staffelübergaben, warten. Anja und Hans-Jürgen leisten mir beste Gesellschaft. Wir klatschen und feuern die Läuferinnen und Läufer an. Man sieht bekannte Gesichter: Die Sonntagsläufer sind da. Und WOW! Ein Mann aus dem Jahrgang 1940 läuft hier den Halbmarathon und wird am Ende noch 16 Läufer/innen hinter sich lassen. Respekt! Ich warte bereits ungeduldig auf Niko, der Micha ablösen wird. Nervös? Ich suche gefühlt 10x das Dixi auf. Na TOI TOI (TOI), das kann was werden... 
Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Fränkische Schweiz Marathon Ebermannstadt
Mit Tina, Niko und Micha
Foto: Andreas Klupp
Es wird wärmer und es sind kaum Wolken am Himmel. Ich kenn die Wendepunktstrecke die ich laufen muss. Sehr exponiert. Sehr warm und langgezogen. Ein paar Wolken wären toll, aber das wird heute wohl nichts mehr. Egal, warmmachen. Den Radweg auf und ab, während die Aufregung steigt. Podde hat den zehner durch und gesellt sich zu uns. Neben uns macht sich eine weitere Staffel bereit. Der Schlussläufer wartet auf seinen Einsatz, genau wie ich. Das ist krass spannend. Wann kommt Niko? Wann findet bei den anderen die Übergabe statt? Da kommt ihr Mann, abklatschen, Uhr starten und weg. Ich schau ihm hinterher, nicht mehr zu sehen. Der ist weg. Man munkelt es sei eine reine Männerstaffel, das wäre natürlich top. Dann hätten wir als Mixed noch Chancen auf den Sieg, denn sonst kam noch keine andere Staffel vorbei. Niko kommt nach starkem Fight angerannt, abgeklatscht, Nummerband rum, Start drücken und ab! Durch Ebermannstadt über die Startlinie und gleich gemerkt, dass ich viel zu schnell los bin. 03:30/min ist etwas gut gemeint. Also nehm' ich ein wenig raus und versuche mich bei 3:45-3:50/min einzupendeln. Nach Ebermannstadt ist es vorbei mit dem Schatten und die Sonne knallt mir aufs Gesicht. Dazu eine Brise Gegenwind. Aber hier und da wird man von Radfahrern und Spaziergängern vorangetrieben. Das motiviert. Die Strecke zum Wendepunkt nach Weilersbach zieht sich. Vor mir niemand, hinter mir niemand. Schon wieder allein unterwegs. Geht das nur mir so? Sicher nicht, denn da kommt mir der Schlussläufer von eben entgegen. Vor ihm und hinter ihm ist auch tote Hose. Niemand da, an den man sich hängen kann, macht jeder von uns sein eigenes Rennen. Wir grüßen uns und rufen uns zwei, drei motivierende Worte zu. Es wird gefühlt wärmer. Der Wendepunkt ist zu sehen, ab da vorne gehts wieder nach Hause. Der Sprecher liest unsere Startnummer vor, sagt wir sind auf Platz zwei. Wie krass, wie geil wär das denn hier wenn wir echt zweiter würden, geht mir durch den Kopf. Weiter gehts. Ich versuch die Leute zum Dampf machen zu bewegen, und mir damit ein wenig ihrer Anziehungskraft als Schwung bis nach Ebermannstadt zu nutze zu machen. Das zieht, sie feuern an und machen Lärm. Es geht zurück, keiner kommt mir entgegen, also keiner hinter mir. Da geht heute was! Tina und die Jungs haben eine Bomben Vorarbeit geleistet. Wehe du brichst dir jetzt den Haxen, denke ich als nächstes. Bis km 7 kann ich gut die 3:50/min halten. Dann zieht mir die Sonne laaaangsam den Stecker. Kurz rausnehmen, wieder anlaufen. Bis nach Ebermannstadt ist es nicht mehr weit und ich seh schon die Bäume am Ortsrand. Die werden mir gleich dankbarst Schatten spenden. Endlich bin ich raus aus der Sonne. Dominik, Ines und Roland kommen mir entgegen. Das tut gut, vertraute Gesichter zu sehen, denn die Beine werden langsam schwer. Die letzten paar hundert Meter und ich hör schon den Sprecher am Zieleinlauf. Die Musik, die Leute. Da kommt Tina auf die Straße gerannt und reiht sich links neben mir ein. Kurz darauf Micha von der rechten. Endorphine, Dopamin, Serotonin, Adrenalin und was es noch so alles gibt, hauts mir durchs Rückenmark, den Kopf, quer durch die Lunge und über das Herz direkt in Beine. Niko ist jetzt auch da. Wir rennen zusammen, dicht vorbei an den Pompons der Cheerleader, ins Ziel.
Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Fränkische Schweiz Marathon Ebermannstadt
Am Ende gings aufs Treppchen...
Ich bin immernoch der Meinung dass wir zweiter sind, hörte sich in Weilersbach ja noch so an. Aber das hält nicht lange, denn der Zielsprecher ist da anderer Meinung. Die Staffel vor uns war tatsächlich eine reine Männerstaffel. Als Mixed Team haben wir das Ding heute also gewonnen! Mit einer Zeit von 2:48:09 netto stehen wir ein paar Stunden später oben auf dem Treppchen. Kurz davor durfte unsere Mädelsstaffel auch ganz nach oben, denn die haben mit 3:29:50 ebenfalls den ersten Platz abgeräumt! Sehr gelungenes Ding also! Als morgens der Wecker geklingelt hat, hab ich mich kurz noch gefragt, warum man sich sowas am Sonntagmorgen gibt. Stunden später ist klar, dass man für sowas gerne aufsteht. Das wird noch eine ganze Weile nachklingen, an sowas kann man sich gerne zurückerinnern. Fakt ist schon jetzt: wir kommen wieder! Und kurz nach dem Endspurt in Ebermannstadt, steht schon der nächste an. Die Vorbereitung auf den Berlin Marathon geht in die Endphase. Aber vorher kommt noch der Kuckuckslauf in Kemmern. Auch dafür würde ich gerne wieder früh aufstehen.


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...auch für unsere Mädelsstaffel
Foto: Andreas Klupp

Freitag, 2. September 2022

Was mitnehmen für den Wochenendtrip?

Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Was mitnehmen für den Wochenendtrip?
Am Großen Arber

Im Juni diesen Jahres war ich drei Tage am Goldsteig auf einem Trailrunning Abenteuer unterwegs. Insgesamt waren auf der Tour über 75 Kilometer mit zusammengenommen 3.625 Höhenmetern auf dem Plan. Das sind pro Tag in etwa 25km mit ca. 1.200hm. Manch eine/r, der/die die komplette Strecke an einem Tag absolviert, wird sich denken, dass das auf drei Tage aufgeteilt allenfalls drei schöne Trainingseinheiten sind. Für mich war es aber mehr: Ich wollte mich nicht hetzen, die Natur zu genießen und sehen wie ich mich nach drei Tagen auf und ab und nach drei Gipfeln fühle. Vielleicht auch um einen Vorgeschmack zu bekommen, was ich sonst noch anstellen könnte? Mal sehen was noch kommt. Den Goldsteig bin ich bislang nur erwandert. Aber ein ganzes Stück von ihm zu laufen, das hatte schon nochmal mehr. Beim wandern ist es jedoch auch kein Problem mal einen Rucksack mit 10 oder 12 Kilo auf dem Rücken zu haben. Das wollte ich beim laufen aber unbedingt vermeiden. Durch viele Wanderungen, auch über mehrere Tage, habe ich mit der Zeit gelernt nur das mitzunehmen, was wirklich nötig ist. Das ging so weit, dass ich, wenn es zum Beispiel ein paar Wochen auf Montage ging, irgendwann stets den kleinsten Koffer dabei hatte und von den Kollegen nur belächelt wurde. Aber eigentlich schleppten die anderen nur viel zu viel mit sich rum. Vieles von dem, oft das meiste, was man mitnimmt, braucht man gar nicht. Da kam mir die Erfahrung zugute. Was ist also nötig, auf so einer Tour? Und wie bereitet man sich darauf vor? Für die Läuferische Vorbereitung habe ich mir gar nicht so viele Gedanken gemacht. Höhenmeter sammeln und entspannt laufen. Bei uns ist es recht hügelig. Da kommen auf einen Halbmarathon schnell mal 400hm und mehr zusammen. Wenn man dann noch einen größeren Anstieg in der Nähe hat, läuft man den eben mehrmals auf und ab, damit trainiert man den Körper auch gut auf die Wechselbelastungen im Gelände. So habe ich zum Beispiel den höchsten Anstieg auf meiner Hausrunde sieben oder acht mal nacheinander erklommen, war bei uns im Fichtelgebirge laufen und habe einige längere Einheiten als sonst gemacht. Aus zehnern wurden 15-17km. Aus Halbmarathons wurden 25-27km. In der Woche kamen dann stets so in etwa 70-80 km zusammen und gut 1.000hm. Das hat sich als Vorbereitung schon ganz gut bewährt. Auch wenn ich an Tag eins meines Kurzabenteuers wohl einen schlechten Start erwischt habe. Krämpfe und mehr nach knapp 20km kannte ich sonst nicht. Krämpfe im allgemeinen hatte ich eigentlich noch nie wirklich, höchstens früher mal einen Wadenkrampf am Abend nach dem Kicken mit Freunden. Und da geht's auch schon los. Wie kann man dem vorbeugen? Da ist natürlich zum ersten die besagte Höhenmeter-Lauferei die beste Vorbereitung. Zum zweiten, und das habe ich wohl verschwitzt (im wahrsten Sinne des Wortes) sind die Elektrolyte: Salz, Magnesium, Calcium, etc. Ich habe am ersten Tag extrem viel geschwitzt, dadurch natürlich auch sehr viele Elektrolyte verloren und in meinen beiden Soft Flasks war lediglich Wasser, welches mir dann ohnehin zu allem Überfluss auch noch leer wurde. Morgens schon zu wenig getrunken, unterwegs zu wenig nachgefüllt: Stecker draußen.

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An jeder Quelle Wasser auffüllen

Die Etappe war sehr anstrengend und die Hitze sorgte für die Dehydrierung, die mir dann zum Verhängnis wurde. Als ich dann mein Magnesium genommen hatte, war es schon zu spät. Was hätte ich also besser machen können? Normalerweise habe ich auf langen Läufen (vor allem wenn es sehr warm ist) immer mal meinen Laufrucksack mit Wasser dabei. Im Wasser dann eine Prise Salz, die man nicht zwingend schmecken muss, ist da schon die halbe Miete. Ich hätte auch im vornherein testen sollen, wie mir eine Magnesium/Calciumtablette im Wasser bekommt. Verpflegungsstellen gab es unterwegs nur zwei, und zwischen denen lagen einige Kilometer mit vielen Höhenmetern. Ein Extra Pack Wasser im Rucksack wäre also durchaus sinnvoll gewesen. Ich habe mich auch zu sehr darauf verlassen eine Quelle zu finden. Ich wusste ja wo eine ist, aber da ich mich verlaufen hatte, hab ich sie leider umgangen und stand dann irgendwann ohne Wasser da. Also: lieber etwas mehr Gewicht dabei haben als sich am Ende nur noch zu quälen, denn der Anstieg zum Großen Arber, mit krampfenden Beinen und Gewitter im Nacken, war alles andere ein entspannter Lauf. An Tag zwei und drei hatte ich dann zusätzlich eine 0,5l Flasche Wasser und eine 0,5l Flasche Iso dabei. Und siehe da: keine weiteren Probleme. Soviel zum trinken. Und das Essen? Das ist eigentlich das geringste Übel. Da kommt man schon mit ein paar Riegeln gut zurecht, denn auf so einer Tour kann man Abends einkehren und morgens ausreichend Frühstücken. Da sind wir auch schon beim nächsten Punkt: die Unterkunft. Natürlich sollte man sich im voraus schlau machen wo man übernachten kann, wenn man keine Lust hat auch noch einen Schlafsack oder ein Tarp mitzunehmen. In meinem Fall konnte ich auf dem Großen Arber und auf dem Falkenstein jeweils in der Hütte schlafen und dort auch Morgens und Abends gut essen. Somit war Hunger gar kein Problem. Einfach loslaufen auf gut Glück ist dennoch eher suboptimal, aber das versteht sich von selbst. Denn auch das Wetter kann schnell umschlagen. Sich über Schutzhütten zu informieren ist also durchaus sinnvoll. Und was hab ich alles mit auf die Tour genommen? 

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So viel wie nötig, so wenig wie möglich

Unterm Strich: nur das nötigste. Und ich habe wiedermal gemerkt, dass ich selbst davon schon etwas zuviel dabei hatte. Zu meiner ca. 3kg schweren Ausrüstung zählte:

- Laufrucksack
- zwei Soft Flasks (je 0,25l)
- Cap gegen die Sonne
- 2x Tank Top
- 2x Laufhose
- 2x Laufsocken
- Longsleeve falls es mal frischer wird.
- Mikrofaser Handtuch
- Taschentücher
- Kamera
- Powerbank und Multistecker Ladekabel
- Zahnbürste, gekürzt um Platz zu sparen
- Duschgel, Sonnencreme, Hautcreme, Waschmittel & Zahnpasta im Miniaturformat (gibts im Drogeriemarkt)
- Schweizer Messer (Model Walker: Klinge, Säge & Flaschenöffner reichen völlig aus)
- Geldbeutel mit Bargeld, EC-Karte, Krankenkarte, Ausweis und Führerschein
- Erste Hilfe Set (2x Mullbinde, Pflaster, Zeckenzange, Blasenpflaster, Verbandtuch, Schmerztabletten)
- Verpflegung (Riegel, Nüsse, Magnesium etc.)
- Laufuhr, Schuhe, Smartphone

Und was davon war jetzt Luxus? Wenn man sich die Liste mal so ansieht, sieht das gar nicht viel aus. Doch in der Tat hätte ich mir auch hier etwas wegsparen können. Zwei Hosen waren schon sinnvoll, denn nach dem Lauf und der Dusche auf der Hütte eine frische Hose zu haben darf man sich schon gönnen. Ersatzshirt fand ich daher auch wertvoll dabei zu haben. Genau wie die Wechselsocken, man rennt eben doch schnell mal ins Wasser und hat nasse Füße. Auch das Longsleeve hat sich als sinnvoll erwiesen, denn ein Abendspaziergang auf dem Berg kann auch im Juni/Juli frisch werden. Verpflegungstechnisch hätte ich mir jedoch den ein oder anderen Riegel und die Nüsse sparen können. Auf den Hütten gibt es ja mittlerweile alles was das Herz begehrt, man braucht also nur für unterwegs eine Kleinigkeit, eventuell kann man ja auch mal einkehren. Das Erste Hilfe Set würde ich, obwohl ich (zum Glück) nichts davon gebraucht habe, jederzeit wieder so packen und nichts davon Zuhause lassen. Die Powerbank: kann man haben, muss man aber nicht. Akkus halten lange genug und man daddelt ja nicht die ganze Zeit auf dem Handy rum. Abends in der Hütte kann man dann alles wieder aufladen. Die würde ich also nicht mehr auf die Liste setzen. Hygienetechnisch war die Hautcreme eigentlich auch Luxus, das Waschmittel dafür aber Gold wert. Das Messer habe ich zwar nicht gebraucht, es ist aber besser ein Schweizer dabei zu haben, wenn man es nicht braucht, als keines zu haben, wenn's nötig ist. Die Soft Flasks werde ich mir größer besorgen, oder eben noch eine zusätzliche Flasche Wasser oder Iso mit in den Rucksack packen.
Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Was mitnehmen für den Wochenendtrip?
Und was als nächstes?
Mindestens 1 Liter sollte immer dabei sein. Bei Quellen auf jeden Fall sowieso immer brav auffüllen. Unterm Strich hat das also alles gut gepasst und ich denke dass ich da sogar noch etwas abspecken könnte. Denn hier und da ein paar Gramm, können schon Platz für etwas machen, das nützlicher sein kann, als einige nice to have Gegenstände. Eine Regenjacke zum Beispiel, da hab ich auch gepokert und keine mitgenommen... Man könnte mit diesen Sachen so eigentlich auch deutlich länger als drei Tage auskommen, solange man in der Nähe der Zivilisation bleibt. Soweit so gut also, und was steht als nächstes Abenteuer an? Mir schwebt da auch echt schon was vor... Denn der Test am Goldsteig lief ja schonmal ganz gut 😊. Na mal sehen...

Samstag, 6. August 2022

Was blüht denn da am Wegesrand? Teil 2

Schon vor einer Weile habe ich in einem Beitrag etwas über ein paar unserer Frühjahrsblüher geschrieben. Die ersten im Jahr, die unseren Insekten Nektar spenden und den Frühling einläuten. Doch auch den Sommer über ist es (oder sollte es zumindest sein) an vielen Stellen bunt. Von den Sommerblühern, die wir beim laufen am Wegesrand sehen können, möchte ich Euch heute einige vorstellen. Die sind nicht nur Nektarlieferanten für Hummeln und Wildbienen oder Fraßpflanzen für Schmetterlingsraupen, sondern bringen auch einiges an Heilkräften mit sich und haben teilweise sogar interessante Geschichten hinter Ihrer Namensherkunft zu verbergen.

Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Was blüht denn da am Wegesrand?
Kohlweißling an Wiesen-Flockenblume
Einer der besten Nektarlieferanten und somit Insektenmagneten überhaupt, ist die rosa bis purpurrot blühende Wiesen-Flockenblume. Die Wiesen-Flockenblume wächst am Wegesrand am liebsten auf lehmigen Böden. Sie blüht bis in den Herbst und ist damit einer der bedeutendsten Nektarlieferanten für unsere Insekten. Früher hat man die Blätter und Triebe als Hopfenersatz beim Bierbrauen verwendet. Bücher über Heilpflanzen beschreiben die Bitterstoffe der Wurzel als fiebersenkend. Die Heilwirkungen der Wiesen-Flockenlbume sind ausserdem ähnlich wie die der Kornblume. 


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Spitzwegerich: Top gegen Entzündungen
Der Spitzwegerich ist seit der Antike eine der am meistverwendeten Heilpflanzen. Seinen Namen hat die Wegrandpflanze von seinen spitz zulaufenden Blättern der Bodenrosette. Die Blätter sind gut als Salatbeilage, oder gekocht wie Spinat. Aufgekocht in Tees wirkt das Kraut gut gegen Husten und Entzündungen im Mund-Rachenraum. Bei Hautentzündungen und Insektenstichen kann man Spitzwegerich auch äußerlich anwenden. Einfach die Blätter zerreiben und auf den Stich halten. Im Garten bietet der Spitzwegerich ausserdem wichtiges Futter für viele Schmetterlingsraupen, wie z.B. für einige der gefährdeten Scheckenfalter.


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Nektarlieferant³: Die Acker-Witwenblume
Die rosafarbene Acker-Witwenblume ist ebenfalls ein Bienen- und Schmetterlingsmagnet. Sie ist eine unserer heimischen Wildpflanzen, die am meisten Nektar bietet. In einem Blütenkörbchen der Pflanze können bis zu 50 Blüten vorkommen. Sie wird bis zu 80cm hoch und blüht von Mai bis September. Heute wird die Witwenblume nur noch selten als Heilpflanze erwähnt, früher versuchte man sich aber sogar bei der Pest und Krätze an ihrer Heilwirkung. Weitere Namen der ausdauernden, krautigen Pflanze sind z.B. Nähkisselchen oder Wiesenskabiose. 


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Der Natternkopf hat seinen Namen von seinen
Schlangenmaulähnlichen Büten
Ein weiterer Vertreter der Nektarbomben ist der Gewöhnliche Natternkopf. Vor allem Hummeln stürzen sich auf die Blüten. Anfangs sind die Büten rosa, doch später, dann wenn sie keinen Nektar mehr bieten, färben sie sich blau. Bienen lernen das und sparen sich so den Aufwand die Blüte zu besuchen. Blüten bietet de Pflanze ja genug, da findet sich immer etwas. Auch Schmetterlinge fliegen auf den Natternkopf. Es wurden über 40 Arten festgestellt, die die Blüten nach Nektar abklappern. Zur Heilwirkung des Natternkopfs gehören z.B. ein hustenstillender, harntreibender Tee, oder die Wurzeln, die als Salbe oder Breiumschlag bei Hautproblemen und Verletzungen des Bewegungsapparats helfen können. Ähnlich dem Beinwell.



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Die Wilde Möhre lockt Käfer und Wanzen an
Die Wilde Möhre macht ihrem Namen alle Ehre. Zerreibt man die Blätter, duften sie gut nach Möhren. Zu erkennen ist der Doldenblütler an der dunklen Einzelblüte in der Mitte der Blütendolde. Viele Tiere, wie Bienen, Wanzen und Käfer tummeln sich auf den Blüten der Wilden Möhre. Auch die Raupe des Schwalbenschwanzes nimmt die Pflanze gerne als Hauptnahrungsquelle an. Nach der Blütezeit rollt sich die Blütendolde zusammen. Wenn man sie öffnet findet man gerne überwinternde Insekten darin. Das enthaltene Carotin ist gut für die Augen, das Kalium gut fürs Herz. 


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Die Wegwarte:
Eine Frau die auf Ihren Geliebten wartet?
Um die Wegwarte ranken sich viele Mythen und Sagen. Zauberkräfte, vor allem in der Liebe werden ihr nachgesagt. Des weiteren sagt man, sie sei ein verwandeltes Burgfräulein, das auf die Heimkehr ihres im Krieg gebliebenen Geliebten wartet. Ob das so stimmt? Sicher ist jedenfalls: die Hosenbiene (Bild) ist auf der Wegwarte sehr glücklich. Sie sammelt den Pollen auf ihren Beinen, was dann aussieht wie eine Hose. Später wird der Pollen mit Nektar vermischt und dient dem Nachwuchs im Larvenstadium als Nahrung. Tee aus der Heilpflanze des Jahres 2020 regt den Stoffwechsel an und wirkt harntreibend.



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Was hat die Schafgarbe mit der
Achillessehne gemein?
Die Schafgarbe blüht von Mai bis Oktober. Sie mag aussehen wie ein Doldenblütler, ist aber keiner. Die Blütenköpfe entspringen verschiedenen Punkten, während sie z.B. bei der Wilden Möhre nur aus einem Punkt kommen. Die Schafgarbe ist ein Korbblütler. Auch sie wirkt entzündungshemmend, blutreinigend und allgemein kräftigend. Man nennt sie auch Achilleskraut. Der Name geht auf Achilleus zurück: der nahezu unverwundbare Held aus dem Trojanischen Krieg, der die Pflanze als Droge entdeckt und als Heilmittel verwendet haben soll. Seine einzige Schwachstelle war die Achillesferse, Namensgeber der Achillessehne. Ob sie wohl auch bei Achillessehnenbeschwerden hilft?

Mittwoch, 20. Juli 2022

Mainauenlauf 2022....

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Mainauenlauf 2022
Endlich wieder Mainauenlauf

Wo soll ich anfangen? Diesmal fällt's mir irgendwie schwerer. Vielleicht weil ich nach meinem Abenteuer am Goldsteig erstmal nichts geschrieben habe? Vielleicht aber auch, da ich mich schon lange auf den Mainauenlauf gefreut habe, und er nun endlich wieder unter normalen Bedingungen stattfinden konnte? Ich denke das werden wohl die Gründe sein. Denn nach 2019 in abgespeckter Version, konnte der Mainauenlauf endlich wieder in voller Blüte aufgehen: toller Finisherpark mit Top Verpflegung, der obligatorische Teppich im Zieleinlauf, wie man ihn in dieser Art sonst bei den allerwenigsten Läufen findet, die Stimmungsnester an der Strecke, Wasserbrausen zum abkühlen am Wegrand und natürlich die schöne Strecke durch das ehemalige Landesgartenschaugelände in Bayreuth. Der Lauf hat immer wieder einen ganz eigenen Charme, fast schon Festivalcharakter, nur sportlich eben. Im Line-up waren auch wieder einige regionale Hochkaräter, sowie der ein oder andere Evergreen vertreten. Viel Herzblut und Mühe, viel Ehrgeiz und Liebe zum Detail steckt drin. Fang ich doch einfach von vorne an. Meine Anmeldung war dieses Jahr etwas spät dran, irgendwie bin ich nicht so in die Gänge gekommen. Den Mainauenchampion (5&10km) wollte ich dieses Jahr nicht machen, auch wenn unsere Trainerin Tina versucht hat, mich bei einer der letzten Bahneinheiten dazu zu bringen. Ne, ne, diesmal sollte es nur der Zehner werden. Und allzu sehr ballern wollte ich ohnehin nicht, da kam die Anfrage von unserem MaliCrew Vorstand Flo wie gerufen, ob denn nicht ein paar bereit wären, als Pacer zu laufen. 45 Minuten auf 10km wäre noch da, das klingt doch gut, das mach ich. Sowas habe ich vorher noch nicht gemacht und konnte mich umso mehr auf die Erfahrung freuen. Am Samstagmorgen dann erstmal beim Aufbau helfen, Zieleinlauf aufbauen, Absperrungen stellen, Pavillons für die Zielverpflegung aufstellen und und und. Danach dann schonmal die Startunterlagen abholen gehen. Sonntagmorgen einige Restpunkte abarbeiten, und dann stand das Baby wiedermal sehr schick da. Vom Kinderlauf hab ich diesmal zwar leider nichts mitbekommen, war aber dennoch pünktlich zum Startschuss des 5km Laufs im Start-Zielbereich, um meiner besseren Hälfte, die das Ding in 25 Minuten gerockt hat, noch viel Spaß zu wünschen. 

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Mainauenlauf 2022
Die gute Laune hielt noch lange nach dem Lauf an
Ein paar Minuten vor dem Start zum 10km Lauf fällt mir dann ein, dass ich ja eventuell noch meine Laufschuhe anziehen, meinen Brustgurt montieren und eventuell auch meine Pacerballons anbringen sollte. Kann man mal vergessen, wenn man gefühlt 10x den Weg zum Dixi als warmlaufen zählen lässt. Also kurz in den Backstage Bereich, das Equipment ran, kurzer Sound... äääh Laufcheck mit den Ballons und ab in die Startreihe. Startschuss und die Spiele können beginnen. Ich lauf noch keine 50 Meter, da geht's plötzlich "StadtLandWald, oder?". Ich dreh mich nach links und da läuft Dominik Bogner von der Wiesent-Challenge neben mir. Ich freu mich, dass mich jemand so anspricht, er folgt mir auf Instagram. Wir unterhalten uns ein wenig, die ziehen ein richtig schönes Ding in Waischenfeld, in der Fränkischen Schweiz auf. Das wird am 03.10.22 auch ein toller Lauf werden. Wir laufen noch ein Stück zusammen und er lässt leider wieder abreißen. Auch während der nächsten Kilometer laufe ich eher alleine. Egal, ich kann zum ersten mal seit langem ein Laufevent mal wieder in vollen Zügen genießen. Nicht im Tunnel, wie wenn man auf der Jagd nach einer neuen PB ist, sondern easy das Ding machen und die Atmosphäre richtig aufsaugen. Die Stimmung an der Strecke war der Hit und ich sah viele bekannte Gesichter. Hier und da ein, zwei Sätze zurufen und weiter gehts. Ich war etwas zu schnell unterwegs, eher so Richtung 4:26er Pace. 4:30 musste ich laufen also konnte ich es ab und an auch mal einen Zacken ruhiger angehen lassen. Bergab also nicht zu schnell, sondern mal ruhig rollen lassen und dabei etwas runterkommen. Tat gut. Noch in der ersten Runde konnte ich Micha einholen, der den Halbmarathon auf 2:00:00h paced. Der filmte und schoss Fotos nebenher, hatte also auch seine Gaudi. Kurzer Läufersmalltalk und weiter geht's. Dafür hat mich kurz darauf Olli stehen lassen. Der ist den Halbmarathon in ner Stunde fünfundzwanzig gelaufen und damit auf Platz zwei gelandet. Hut ab, Olli!

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Mainauenlauf 2022
Mit Philipp und Markus kurz vorm Zieleinlauf.
Foto: Claus von Acken

Etwa 3-4 Kilometer vor Schluss habe ich dann noch zu Markus aufgeholt, endlich Gesellschaft. Kurz darauf kam dann noch Philipp dazu. Wir liefen die letzten Kilometer zusammen und kurz vorm Ziel ließ ich die beiden ziehen. Ich lief super Happy auf den Zieleinlaufteppich und habe so viele Hände abgeklatscht wie noch nie. Die Uhr stoppte bei 44:59,4 min. Was geht denn ab? Punktlandung! Wie cool war das denn bitte?! Im Finisherbereich erstmal was trinken und das ein oder andere Stück vom leckeren Kuchen probieren, dazu Obst und viele nette Unterhaltungen. So kann ein Tag gerne abLaufen. Ich hätte nie gedacht, dass die Pacernummer so viel Spaß macht. Die Leute am Streckenrand, vor allem die Kids, haben einfach so positiv darauf reagiert, dass da einer mit Luftballons rumrennt. Ausserdem tut es gut Menschen zu motivieren und mitzuziehen um ihre Ziele zu erreichen. Das war sicher nicht das letzte mal, dass ich mir eine Zielzeit an den Rücken hänge. Denn ich war selten so happy im Ziel. Manchmal sogar nichtmal, wenn eine neue PB auf der Uhr stand...

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Mainauenlauf 2022
Zusammen mit Olli und Viki im Ziel
Foto: Wolfgang Bergmann

Sonntag, 26. Juni 2022

Tag drei am Goldsteig. Über Schachten und durchs Moor...

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Spendenprojekt für die Freie Naturschule Ravensburg
Die Sonne steht noch nicht allzu hoch
über den Schachten des Bayerischen Waldes

Gut ausgeschlafen heute. Es ist kurz nach halb sieben und die Morgensonne wärmt den Berg auf. Ich steh auf und meine Beine fühlen sich heute nach Laufen an. Es geht vom Großen Falkenstein zum Großen Rachel. Die letzte Etappe hat ca. 26km und knappe 900hm. Ich packe meinen Rucksack und gehe die Treppe nach unten zum Frühstück. Sieht gut aus. Brot, Käse, Nutella, Honig, alles auf was ich jetzt Bock habe. Dazu Saft und ein toller Blick aus dem großen Panoramafenster des neuen Falkensteinschutzhauses. Ich esse viel, aber nicht zuviel. Trinken ist das wichtigere. Ich schlucke, bevor es losgeht, nochmal über eineinhalb Liter runter, dann sollte jede Zelle meines Körpers ordentlich nass sein. In Bayerisch Eisenstein habe ich gestern ohnehin nochmal für Getränkenachschub gesorgt. Zusätzlich zwei 0,5 Liter Flaschen passten noch in den Rucksack. Schon geil, was der inov-8 Race Elite so fassen kann, ohne dabei nervig am Rücken zu baumeln. Laut Karte komme ich auch an einigen Bächen und Quellen vorbei. Das ist wichtig, denn es soll wiedermal ausreichend warm werden und eine Einkehrmöglichkeit gibt es auf diesem Teil des Goldsteigs nicht. Ich gehe nochmal aufs Zimmer, schaue ob ich alles dabei habe und nichts vergessen hab und zieh die Tür hinter mir zu. Ich gebe meinen Schlüssel ab, das Personal der Hütte ist im übrigen der Hit, freundlich, aufmerksam, toll. Hier fühlt man sich wohl. Da kann man sicher toll ein langes Wochenende auf dem Berg bleiben. Vielleicht machen wir das mal. Unten im Schuhkeller treffe ich auf eine Wanderin, die läuft ebenfalls die gleiche Strecke und hat hier genächtigt. Wir plaudern ein wenig und tauschen uns über unsere Erfahrungen aus. Sie ist leicht verblüfft, als ich ihr sage, dass ich nur mit 3kg unterwegs bin. Sie hat gute 13kg dabei. Aber man lernt mit der Zeit eben, was man wirklich braucht und was Luxusartikel sind. Was habe ich denn alles dabei? natürlich das was ich anhabe, also eine Laufhose, ein Tank Top und mein Cap, sowie meinen Laufgürtel in dem sich mein Messer und meine GoPro befinden. Im Rucksack findet sich noch: eine Ersatzhose, ein Ersatzshirt, ein Longsleeve falls es mal frischer wird, Ersatzsocken, ein kleines Erste Hilfe Set (mit zwei Mullbinden, Pflastern, Zeckenzange, Schmerztabletten, etc.), Taschentücher, 2x0,5 Liter Wasser, Ladekabel und eine kleine Powerbank, Mini Hygiene Set (Shampoo, rei, Zahnpasta, Zahnbürste, Sonnencreme, Nivea Creme), Geldbeutel, Kleines Handtuch, ein paar Riegel und eine Nussmischung. Man sieht, es braucht nicht viel zum Glücklichsein.

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An jedem Bach was für die Hydrierung tun

Ich laufe los und es geht erstmal schön eben vor sich hin. Perfekt zum reinkommen. Nach den ersten paar hundert Metern dann aber ein knackiges Stück bergab, rollen lassen ist hier nicht, zu steil, aber es geht in den Wald und der hat eine perfekte Temperatur. Ich komme schon an der ersten Quelle vorbei, ehe es wieder leicht bergan in einen reinen Buchenwald geht. Noch nie gesehen, dass es auch Buchenmonokulturen gibt. Hier lebt ebenso wenig, wie in einer Fichtenplantage. Sieht aber wenigstens schöner aus und das Klima ist angenehmer. Ich laufe weiter und mein Weg führt mich, wie schon gestern über den ersten Schachten. Hier ist das Land noch offen und man kriegt die volle Sonne ab. Schön anzusehen sind die Schachten. Schade nur, dass sie nicht mehr genutzt werden. Am Scheuereckberg (1193m) habe ich kurz Probleme den Weg wieder zu finden und suche verzweifelt nach dem Goldsteig Symbol, welches sonst oft gut sichtbar an Bäumen und Schildern angebracht ist. Nach kleiner Irrfahrt finde ich mich aber wieder zurecht und bin auf dem richtigen Weg Richtung Rachel. Menschen treffe ich auf dieser Etappe kaum welche. Ob das an der fehlenden Einkehrmöglichkeit liegt? Am Wetter sicher nicht, denn das hält traumhaft durch. Das nächste Stück ist ein wenig monotoner, es geht ein paar Kilometer auf einem welligen Forstweg entlang, aber irgendwann geht es mal links weg hoch in den Wald. Dort treffe ich auf zwei Wanderer, die gerade ihre Wasservorräte auffüllen. Ich mach dasselbe und wir unterhalten uns ein wenig. Die beiden kommen aus Hannover und Bremen und sind auf dem Weg den kompletten Goldsteig abzuwandern. Von Marktredwitz über die Nordroute bis eben nach Passau. Das ganze Brett. Und die haben leider erst vor kurzem erfahren, dass das Waldschmidthaus am Rachel geschlossen hat. Keine Übernachtungsmöglichkeit. Die beiden müssen wohl Abends noch runter vom Berg und sich eine Alternative suchen. Das ist hart nach einem so langen Tag. Denn sie haben auch noch einige Kilometer und Höhenmeter vor sich. Wir reden noch ein wenig weiter und wünschen uns viel Spaß auf unserer weiteren Tour. Das waren ein paar der wenigen, die ich auf dem Weg getroffen habe. Bis zum Rachel, oder zumindest bis kurz davor, kann man die Menschen, die ich getroffen habe, an einer Hand abzählen. Schade, wenn man bedenkt, dass das hier wirklich eine der schönsten Routen des Goldsteigs ist. So abwechslungsreich über die Schachten, durch Wald, vorbei an vielen Quellen, an denen man sich erfrischen kann. Warum lassen sich das so viele entgehen? Nur weil es unterwegs keine Pommes zu kaufen gibt? Man weiß es nicht. Für mich geht es jedenfalls weiter und ich habe gut die Hälfte der Strecke hinter mir. Weiter durch den Wald, weiter vorbei an Quellen und Bächen, bei denen ich an jeder mein Cap nasskalt mache und meine Wasservorräte auffülle. Soft Flasks leertrinken und mit bestem Bergwasser wieder auffüllen. Was will man mehr? Ich komme vorbei am Lindberger Schachten und es geht etwas bergab. Danach nochmal hoch in einen wunderschönen Mischwald mit tollen Singletrails. 

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Der Latschensee lädt zum Pause machen ein.

Jetzt bin ich happy, dass hier keiner ist, denn ich kann den Trail gut durchlaufen und muss niemanden ausweichen. Ich komme aus dem Wald und laufe direkt auf den Latschensee zu. Das Wasser sieht schon sehr moorig aus und ich bin sicher ganz nah am Zwieselter Filz. Hier mache ich Pause und gönn mir einen meiner Riegel. Mmmmmh schön warm und durchgeweicht das Teil, aber schmecken tut er. Ich bleibe eine Weile hier sitzen und genieße den Blick auf diesen tollen kleinen See, ehe ich weiter laufe und das Moor auf seinem Bohlenweg durchquere. Sicher gute 2km geht es hier auf Bohlen durch das Hochmoor Zwieselter Filz. Hochmoore werden nur durch Niederschlägen gefüllt und sind sehr nährstoffarm. Das Moor ist 25 Hektar groß und ist Heimat des Sonnentaus. 

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Das Zwieselter Filz mit seinem Bohlenweg.
Wunderschön.

Sehr imposant lässt es sich durchqueren. Es ist auf jeden Fall eines der Gegenden, in denen ich in diesen drei Tagen sein drufte, die am meisten Eindruck hinterlassen. Am Ende des Zwieselter Filz kommt man am nächsten Schachten vorbei. Auch hier mache ich kurz Pause und genieße den Blick über die Weide. Ich laufe weiter und liege etwa 50 Meter weiter auf dem Bauch. Ein morsches Stück Holz, das durch die ganzen Heidelbeersträucher verdeckt war, hat mir das rechte Bein festgehalten. Alles gut gegangen, nur das linke Knie hat ne kleine Macke. Wird schon gar halten. Ich laufe weiter und merke das Knie. So kurz vorm Schluss sollte möglichst nichts mehr passieren, denke ich und gehe davon aus, dass sich das wieder rausläuft. Etwas später habe ich keine Probleme mehr und kann wieder bedenkenlos laufen. Einen knappen Kilometer liege ich wieder flach. Diesmal ein Stein, der das linke Bein nicht weiterlassen wollte. Was ist denn jetzt los? Stolper ich gar auf den Rachel? Ich bin kurz dem Verlorenen Schachten und komme nochmal an einem Bach vorbei, an ich mein Cap etwas nass und kalt machen kann. auf dem Weg zum Bach knicke ich rechts hart um. ALTER! Aber irgendwie geht es gut. Ich grüße die Leute dort, die aus unbekannten Gründen zwei 10Liter Kanister befüllen und laufe weiter an einer Tschechischen Wandergruppe vorbei am Verlorenen Schachten und begebe mich auf das letzte Stück vor dem Großen Rachel. Hier büße ich leider nochmal zwangsläufig einige Höhenmeter ein, ehe ich am Fuß des Berges stehe und den letzten Anstieg meines Trips vor mir habe. Ich füll nochmal alles an einem Fluss auf und mache mich auf den Weg. Das erste Stück geht es über einen Forstweg in entspanntem Anstieg bergauf und ich kann das alles gut laufen. Wenn das so weitergeht, bin ich in einer 3/4 Stunde oben, denke ich. Mittlerweile hat sich meine Beinmuskulatur so an das Bergauflaufen eingestellt, dass ich recht flott hochkomme. Aber dann kommen endlich mal richtige Bergwege auf mich zu und ab hier kann ich fast nur noch gehen. Vorbei an kleinen moorigen Teichen, auf engen Wegen komme ich langsam, aber dafür in schönster Umgebung voran. es wird steiler, höher, und der Ausblick mit jedem Schritt schöner. Es ist derb anstrengend und die Sonne platzt jetzt ausreichend heiß runter. Aber bald sollte ich oben sein und denke an meine zwei Wanderer aus dem hohen Norden. Die haben das alles noch mit ihren schweren Rucksäcken vor sich, wenn es noch heißer sein wird. Das erinnert mich an die erste Wanderung, die ich mit meinem Bruder und seinem Kumpel Steffen über die 12-tausender von Schönbuchen zum Großen Arber unternommen haben: Bullenhitze und viel zu viel Gepäck dabei. Ich bin glücklich über meinen leichten Laufrucksack mit Sparausrüstung. 

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76,5km und 3.625hm später:
Am Ziel auf dem Großen Rachel
Auf den letzten Metern bis zum Waldschmidthaus kann ich wieder laufen und genieße die Aussicht über diese Hochebene. Der Rachel ist immer wieder eine Reise wert. Die nächste Etappe würde mich zum Lusen führen. Aber für mich ist hier Schluss. Drei Tage Goldsteig liegen hinter mir. Das waren 76,7 Kilometer mit insgesamt 3.625 Höhenmetern, für mich und mein Spendenprojekt für die Freie Naturschule Ravensburg. Ich bin glücklich, diesen Trip gemacht zu haben und dass ich diese vielen tollen Eindrücke und Erfahrungen aufsaugen durfte. Die vielen Gipfel, die Begegnungen mit inspirierenden Menschen, die Landschaft mit ihren Wäldern, Schachten, Seen, Ausblicken, Sonnenuntergängen, Quellen und Bächen, die Krämpfe und das schwitzen, die Fliegenplagen und der Durst, das einkehren, die Anstiege auf die Berge und vieles anderes. Das macht Lust auf mehr. Und ich kann jedem, der das hier liest, nur empfehlen mal wieder rauszugehen und die Natur zu erkunden. Denn nur was man kennt, kann man auch schützen. Und was jetzt? Mir schwirren schon die nächsten Dinger im Kopf rum, aber erstmal lass ich alles sacken.

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Man kommt auch mit wenig gut zurecht.
Es braucht oft nicht viel zum Glücklichsein.