Montag, 20. Juni 2022

Tag eins am Goldsteig. Über 12 Gipfel musst du laufen...

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Spendenprojekt für die Freie Naturschule Ravensburg
Blick von der Steinbühler Senke
Hier hat der Räuber Heigl also einen Teil seines Lebens verbracht. Ob die Rote Therese auch mit in der Höhle gewohnt hat? Wer weiß das schon. Aber sicher haben sie sich beim Aufstieg in die heutige Räuber Heigl Höhle mit ihrem Diebesgut mehr geplagt als ich mit meinem 2-3 kg im Laufrucksack. Na gut, warmmachen hätte ich mich schon ein bisschen können, dann wären die Waden jetzt vielleicht auch nicht so hart, aber irgendwie hatte ich das erste Stück etwas flacher in Erinnerung. Kaum 3km gelaufen und schon ein paar hundert Höhenmeter hinter mir. Dann kanns ja nicht mehr so weit sein, bis zur Kötztinger Hütte. Kehr ich da schon ein? Neee, ich such mir später ein Eck im Gasthaus Eck, zum Pause machen. Aber jetzt erstmal noch gar hoch hier. Vorbei am Mittagstein, auf 1034m, einer der ersten der 12-tausender Gipfel, die auf dem Weg zum Großen Arber und auf dieser ersten Etappe meines Goldsteig-Runs auf mich warten. Das wird ein Brett. Gleich am ersten Tag ca. 1800 Höhenmeter, verteilt auf gerademal 24km. Unterm Strich gehts auf dieser Etappe ohnehin nur bergauf. Von hier oben hat man schon eine geniale Sicht aufs Tal, aber ich weiß, dass es später auf dem Kamm noch viel schicker wird, bei der Steinbühler Senke. Das Panorama dort sucht seinesgleichen. Da halte ich denke ich mal an und mach meine erste Genusspause. Weiter gehts vorbei an der Kötztinger Hütte. Etwas bergein und rauf auf den Kamm.
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Die Rauchröhren: wunderschön auch für Kletterer 
Den Ausblick hier oben sollte man nicht links liegen lassen. Ich bin zum dritten mal hier oben und es flasht mich immernoch. Hier ist es auch endlich mal etwas eben, und ich kann es ein kleines Stück rollen lassen, als ich weiterlaufe. Aber ohne Hektik. Ist schon teilweise ziemlich eng und technisch der Trail, und macht Spaß. Nicht viel später komme ich am nächsten Gipfel der tausender, den Rauchröhren (1042m), vorbei die immernoch so imposant aus dem Bergkamm ragen, in der Mitte geteilt und auf deren Spitze man eine traumhafte Sicht auf den Lamer Winkel hat. Soviel Wald überall. Die Strecke bleibt weiter eher eben und bis zum Anstieg zum Großen Riedelstein (1132m) geht es weiter über schöne, teils schattige Single-Trails. Die Rotkehlchen singen vor sich hin und die Buchfinken trällern ihre Songs von den Bäumen herab. Hier oben halte ich aber nicht an, sondern werfe nur einen Blick auf das Waldschmidt-Denkmal auf dem Gipfel. Ich will weiter, runter nach Eck, mir mein verdientes alkfreies Weizen abholen. Ab hier geht es nur bergein, auf Forstweg, ganz ungewohnt hier oben. Ist es doch meistens eher steinig, wurzelig und eng. Tempo kommt trotzdem nicht auf, soll es auch gar nicht, ich bin nicht auf der Flucht. Unten angekommen klappt die Uhr just in diesem Moment auf 10km, in dem ich aus dem Wald herauslaufe, um mich etwas weiter links in Richtung Biergarten zu halten. Etwas trinken wäre gut, Hunger hab ich keinen. Die Verlockung ist zu groß mir den Magen vollzuhauen mit irgendeiner genialen Brotzeit, aber dann geht heute nichts mehr außer Seitenstechen. 
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Einer der schönsten Gipfel auf der Tour:
Der Mühlriegel
Also bleibts bei der Flüssignahrung. Natürlich auch die Soft Flasks auffüllen. Kommen ja noch ein paar Kilometer. Auch die Höhenmeter stehen gerademal bei etwa 700m. Da kommen auf den nächsten 15km also noch gut über 1000hm auf mich zu. Und die Sonne knallt gut runter, dazu wird das letzte Stück, wie ich weiß, ziemlich exponiert. Also besser ist das, nochmal alles aufzufüllen. Erfrischt und fit gehts weiter. Okay, nach dem sitzen ists etwas träge wieder reinzukommen und ab hier geht das Brett eigentlich erst so richtig los. Aber ich weiß, dass am Mühlriegel auf 1080m, dort oben, wo mein Bruder, sein Kumpel Steffen und ich damals auf unserer Wandertour biwakiert haben, mal wieder der Ausblick alles entschädigt, auch die gut 2km bergauf bis dorthin. Und so sollte es auch diesmal sein. Nach dem Mühlriegel gehts kurz bergab, vorbei an dem Typ, der sein E-Bike den Hang raufschiebt (wie kommt der überhaupt hierher), weiter auf den nicht weit entfernten Ödriegel auf 1156m. Der Weg ist nicht weit bis dorthin, aber mit knackigem Anstieg. Da oben merke ich langsam was so los ist, die Beine melden sich zum ersten mal. Dürfen sie nach über 1000hm auch mal. Der erste Gipfel an dem ich alleine bin. Diese Ruhe. Ein ordentlicher Schluck aus der Soft Flask, weiter gehts. Ein bisschen umständlich dann der Weg zum Schwarzeck (1238m). Kurz danach verlaufen und einige Höhenmeter einbüßend, darf ich zusehen, wie ich wieder auf den Kamm hochkomme. Die Outdooractive App hilft auch ohne Handyempfang. Da unten rauscht ein fetter Bach, das Wasser wird knapp. Aber da jetzt runterzukraxln kostet nur noch mehr Kraft. Allzu weit zum Ziel ist es nicht mehr, wird schon gutgehen. 
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Wieder oben am Kamm ist mein Wasser fast aufgebraucht, aber ich weiß, wo hier oben noch eine Quelle ist. Was ich erst später rausfinde ist, dass ich sie durch meinen Umweg aber leider schon umgangen bin. Es donnert, über dem Arber, der schon ganz nah ist, ziehen dunkle Wolken auf. Noch über den Enzian auf 1287m und dann ist es fast geschafft. Mein Wasser ist leer und ich schau mich nach einer Quelle um. Die App sagt, da vorne ist eine, also nix wie hin. Durch hohes Gras und ein gutes Stück vom Weg runter gehe ich etwas demotiviert in Richtung des blauen Strichs auf der Karte, während unbeschwert Kleine Füchse durch die Gegend flattern. Noch ein paar Schritte und ich sehe, dass es da verdammt steil runtergeht, das geb' ich mir nicht. Das ist um einiges steiler als zum Bach von vorhin. Hätte ich den vielleicht doch nehmen sollen? Naja, man soll ja auf das achten was man hat, nicht auf das, was einem fehlt. Und bis zur Chamer Hütte ist es ja auch nicht mehr weit. Zurück auf dem Weg setzen die ersten Krämpfe ein. Hatte ich noch nie beim Laufen. Habe aber auch selten soviel geschwitzt. Die Wolken werden immer dicker und das Donnern kommt näher, während die Beine immer schwerer werden und anfangen zu machen, was sie wollen. Leichter Regen setzt ein, der mir gerade wirklich Recht kommt und gut tut. Auf dem Weg über den Kleinen Arber dreh ich mich um und fange das gleiche Bild wie vor Jahren ein. Wahnsinn, was sich mittlerweile hier getan hat. Soviel schon wieder grün. Nach dem Borkenkäferbefall, holt sich die Natur alles wieder zurück. Stark. 
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Endlich am Großen Arber
Der Abstieg vom Kleinen Arber zur Chamer Hütte hat auch weniger mit Laufen zu tun, als mit "ich will einfach nur entspannt sitzen und was trinken". Das Weizen schmeckt besser als jedes andere, und das Glas Leitungswasser mit meinem Magnesiumpulver drin, exe ich fast weg. Eine knappe Stunde später bin ich ich wieder halbwegs Mensch und gehe den letzten Anstieg zum Ziel an. Der Regen kommt wieder und die Wolken hängen am Großen Arber (1453m) fest. Es donnert und rumohrt, nicht nur am Himmel, ich hab langsam auch echt Hunger auf was deftiges. Am Gipfel drehe ich noch eine Ehrenrunde auf dem Plateau und lass mich, bei plötzlich bestem Wetter, am Gipfelkreuz fotografieren. Heute gut 1800 Höhenmeter gesammelt, für mich, und mein
Spendenprojekt. Ich checke im Schutzhaus ein, beziehe mein Zimmer und gönn mir eine Dusche. Das waren die längsten 24km meines Lebens. Und die Kartoffelpuffer am Abend die leckersten. 

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Abendstimmung Großen Arber

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