Donnerstag, 23. Juni 2022

Tag zwei am Goldsteig. Immer am Wasser entlang...

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Spendenprojekt für die Freie Naturschule Ravensburg
Am Großen Arbersee
Die Nacht war eigentlich ganz in Ordnung, gut geschlafen, aber ich fühl mich immernoch nicht richtig fit, obwohl die Betten und Zimmer sehr gemütlich sind. Heute gehts weiter zum Großen Falkenstein (1315m). Ich brauch erstmal was zu essen. Um 07:30 Uhr gibts Frühstück, mal sehen was danach so geht. Cool, Frühstück aufm Berg. Das motiviert ja schon ne Runde. Pünktlich halb acht bin ich unten im Frühstücksraum. Sieht auch alles top aus. Im Arberschutzhaus lässt sich's aushalten. Das war gestern schon mein erster Eindruck. Vollkornbrötchen mit Käse, Vollkrönbrötchen mit Honig, das ist genau das richtige jetzt. Dazu 3-4 Gläser Orangensaft. Aufs Käsebrötchen kommt eine Prise Salz, soviel Elektrolyte wie ich gestern verloren habe, sicher nicht das schlechteste. Wenn ich heute wieder so schwitzen darf wie gestern, will ich etwas besser vorbereitet sein. Ich komme mit meinem Gegenüber am Tisch ins plaudern. Das ist easy am Berg, man hat ja gleich ein Thema. Nach dem Namen hab ich nie gefragt, auch das Alter ist an mir vorbeigegangen. Aber er erzählte, dass er in den 60ern gerne getrampt ist. Ich schätze ihn also auf gute 80. Fitte 80, denn er ist wandernd am Goldsteig unterwegs, und nicht mit der Gondel hier hoch gefahren. Er startete am Falkenstein und kam gestern von Bayerisch Eisenstein aus an. Er will heute nach Eck. Also genau die entgegengesetzte Richtung, die ich eingeschlagen habe. Respekt, denke ich! Den ganzen Weg, mitsamt den letzten knapp 7km nur bergauf hoch zum Großen Arber. Und jetzt die Wellige Runde bis nach Eck. Solche Menschen inspirieren mich. In diesem Alter noch derart fit unterwegs zu sein, das ist das Ziel. Wir unterhalten uns noch ein wenig und stärken uns für unsere heutige Etappe. Auch er trinkt das ein oder andere Glas Saft mehr. Das macht Sinn, denn heute wird es sicher wieder gut warm. Wir verabschieden uns und wünschen uns noch viel Spaß auf der Tour. Er geht nach draußen, und ich nochmal aufs Zimmer. Eine halbe Stunde noch kurz das Frühstück setzen lassen, bevor es weitergeht. Ich lege mich nochmal kurz aufs Bett und bin kurz drauf ein neuer Mensch. 

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Der Geigenbach, kurz vor Seebachschleife
Der Rucksack ist gepackt, die Soft Flasks sind voll. Letzter Blick durch den Raum. Nix vergessen. Ich ziehe die Tür des Zimmers "Lusen" (das wäre die übernächste Etappe) ran und checke aus. Sagt man das am Berg so? Kurz drauf steh auch ich draußen und gehe die ersten Meter bis zum Schild, das mir die Richtung zeigt. Ich laufe los. Wow, das fühlt sich super an. Es geht steinig und felsig bergab. Etwas technisch und ich muss gleich am frühen Morgen aufpassen wo ich hintrete. Wenig Verkehr, noch kaum Menschen unterwegs und ich kann den Blick vom Arber herab genießen. Ich komme in ein kühles Waldstück und laufe immer weiter bergab. So kann das von mir aus die ganze Zeit weitergehen. ich bin dankbar, dass ich es heute mal etwas rollen lassen kann. Ich verliere schnell an Höhe und nach einer steilen Linkskurve bin ich schon auf dem Weg zum Großen Arbersee. Durch die Bäume hindurch kann ich das Wasser schon sehen. Ich halte unten kurz und mache ein Foto. In der Wirtschaft schnorre ich mir ein paar Tütchen Salz und hau mir eine Prise in die Soft Flasks. Sollte passen. Weiter gehts immer bergein am Geigenbach entlang. Wunderschöner rauschender Gebirgsbach. Bis ich nach Seebachschelife komme, habe ich fast 7km nur bergab gemacht. Krass, das ist er mit seinen 80 Jahren gestern alles rauf. Ich bin immernoch geflasht. In Seebachschleife links weg folge ich jetzt dem Kleinen Regen durch den Wald. Immer am Wasser entlang, ab und zu das Cap im kalten Fluss nass machen, das fühlt sich genial an. Schöner weicher Waldboden, minimalste Steigung bis nach Bayerisch Eisenstein, wo ich mir in der Tankstelle und bei der "Kramerin" meine Verpflegung für die nächste Etappe hole. Eine Ortschaft kommt nicht mehr nach dem Falkenstein, also einkehren kann ich morgen nicht, ich muss deshalb gleich alles dabei haben, da tut ein extra Liter Wasser sicher gut. In Bayerisch Eisenstein überquere ich den Fluss und laufe wieder in den Wald. Immernoch eben kommt bald nur ein kleiner Rücken, den ich überqueren muss. Das ging leichter als gedacht. Ab jetzt gehts bis nach Zwieslerwaldhaus nur noch flach weiter. So eine dankbare, schöne Etappe. Die Route führt mich durch ein urwaldähnliches Waldgebiet, was seit einigen hundert Jahren kaum noch bewirtschaftet wird. 

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So sollte ein Wald aussehen. Mischwald, viel Totholz, kein Verkehr, eine Tanne (rechtes Bild) die über 600 Jahre und über 50m hoch werden durfte. Wo findet man sowas in unseren Wirtschaftswäldern noch? Ich bin beeindruckt und halte kurz inne, um die Kühle und die Ruhe des Waldes zu genießen. In Zwieslerwaldhaus angekommen, geht es eigentlich "nur noch" zum Falkenstein. 5km bergauf, das sollte noch drin sein, sagen meine Beine. Auch Wasser habe ich noch genug, ich kehre aber dennoch im Historischen Gasthaus ein. Ich bestelle mir das obligatorische alkoholfreie Weizen. Niemand da, nur am Nebentisch sitzt jemand. Wir kommen ins Gespräch und ich setz mich zu ihm rüber, so müssen wir nicht quer durch den Biergarten reden. Franz kommt aus Straubing, macht Kurzurlaub hier und war heute schon am Falkenstein. Um sieben Uhr morgens ist er mit leerem Magen los, hat oben gegessen und sitzt jetzt, kurz vor zwölf, schon wieder hier. Hut ab, das war flott. Wir unterhalten uns, stoßen an, er bestellt sich ein Schnitzel und das sieht verdammt gut aus. Aber jetzt was essen wäre zu derb. Dann komm ich nicht mehr hoch. Ich bleibe noch eine Weile sitzen und verabschiede mich dann. Er schaut mich fragend an "gehst scho weiter?" ich hab Bock auf was deftiges "klar, du hast mich ganz hungrig gemacht mit deinem Schnitzel, ich verdien mir jetzt auch gar mein Essen". Er lacht, isst, ich laufe los und gehe auf die Zielgerade zum Großen Falkenstein. Die ersten paar hundert Meter lassen sich noch gut laufen. Dann wird es etwas steiler und ich baue ein paar zügige Gehpassagen mit ein. Meine Stöcke geben ordentlich Vortrieb. Ich sehe wieder keine Trailläufer. Bis auf gestern die zwei, war heute was das Laufen angeht, komplett tote Hose. "Ich bin wohl er einzige hier, der sich das gibt", denke ich mir, fange an zu grinsen und komme irgendwann in die Richtung Runner's High. Ich freue mich des Lebens. Nach etwa 3km kommt eine Lichtung. Da sitzen zwei und grüßen freundlich. Ich schau mich um. Das ist schon Ruckowitzschachten hier, dann ist es nicht mehr allzu weit zum Gipfel. Schachten waren früher beweidete Flächen, daher waren sie auch sehr Artenreich. Die Beweidung wurde leider aufgegeben, da sie nicht mehr lukrativ war und heute drohen diese Flächen zu verbuschen, der Wald holt sie sich langsam wieder zurück. Für mich geht es weiter, etwas exponierter und nicht mehr geschützt durch den Wald schwitze ich etwas mehr beim letzten Stück und komme megahappy am Falkenstein an. Zeit fürs Gipfelfoto. 
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Angekommen am Gipfel
Danach ist erstmal Ruhe angesagt. Ich beziehe mein Zimmer, sieht auch sehr gemütlich aus, gönn mir eine Dusche und geh wieder nach draußen. Jetzt hab ich mir was verdient, meine ich. Was deftiges Essend, lasse ich den Blick über den Bayerischen Wald schweifen. Die zweite Etappe ist geschafft. Jetzt merke ich meine Beine doch etwas, gehe regenerierend über den Gipfel spazieren und komme hier und da ins Gespräch mit den Leuten.  Am Abend fange ich auch hier einen tollen Sonnenuntergang ein und hau mich ins Bett. War das geil heute! Ausserdem kamen wieder gut 1000hm für mein Spendenprojekt für die Freie Naturschule Ravensburg zusammen. Ich bin gespannt auf morgen. Dann gehts weiter zum Rachel.

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Traumhafter Blick auf den Bayerischen Wald
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Abendstimmung am Großen Falkenstein

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