Donnerstag, 6. Oktober 2022

Die Challenge an der Wiesent...

Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Die Challenge an der Wiesent
Streckencheck mit Charlotte, Dominik, Klaus und Viki
Wir laufen durch dieses tolle Tal während die Sonne rauskommt und für einen sehr schönen Herbsttag sorgt. Die Blätter sind zwar noch nicht ganz so bunt wie in ein paar Wochen, aber die Sonne steht schon recht tief und sorgt für ein sensationell tolles Licht und ein perfektes Laufambiente. Das sind jetzt die schönsten Laufabende. Raus zur goldenen Stunde, nicht zu kalt, nicht zu warm, genau richtig. Viki unterhält sich schon die ganze Zeit mit Charlotte. Dominik, Klaus und ich sind etwas weiter vorne und plaudern über das, was in wenigen Tagen bevorsteht: die Premiere der Wiesent-Challenge. Die drei bilden den harten Kern des Orgateams und waren, sympathisch wie sie sind, sofort bereit als ich angefragt habe wie es mit einem Testlauf aussieht. Und hier laufen wir nun. Vielen anderen vor uns gaben sie schon eine Erkundungstour entlang der Strecke der Wiesent-Challenge, also laufen sie die Route wohl zum gefühlt fünfundzwanzigsten mal innerhalb der letzten Wochen. Langweilig wird sie dabei aber sicher nicht. Sie haben die 10km Runde, die eine tolle Mischung aus Landschaft, Ortschaft, Panoramablick und Hotspots bietet perfekt ausgesucht. Start in Waischenfeld auf einer Brücke über die Wiesent geht es auch schon gleich auf die erste Steigung. Zur Siedlung hoch zieht es sich ein ganzes Stück, ehe die Piste vom Asphalt auf Schotterweg wechselt und schon gleich ein wenig was von Trailrunning verspüren lässt. Toller Ausblick inklusive. Im Anschluss lässt es sich bergab bis zur Nankendorfer Mühle gut rollen und dann auf ein langes ebenes Stück durch genau dieses schöne Tal, in dem wir hier gerade laufen. Auf dem Radweg joggen wir entlang der Landstraße zurück nach Waischenfeld. Dort wartet der zweite knackige Anstieg. Im Ort geht rechts weg und hoch zur Burg, die als sehr schöner Hotspot Eindruck macht. Im Burghof eine Runde gedreht, wird es dort eine Verpflegungsstation geben. Auf den letzten drei Kilometern nochmal auf ebener Strecke laufen lassen, wenn man sich nicht vorher an den Bergen abgeschossen hat, sollte Bock machen. Wir laufen wieder in den Ort, jeder der uns entgegenkommt spricht uns auf Sonntag an. Die Leute hier sind als Zuschauer auf jeden Fall genauso heiß drauf. Das wird ein Fest werden. Zurück auf der Brücke. Hier wird auch das Ziel sein. Die Uhr zeigt 10km an. Wir haben uns in diesen Kurs Blitzverliebt und sind gespannt auf das, was kommen mag. 
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Die Ruhe vor der Challenge
Foto: Anna Frost

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Startschuss zur Premiere der Wiesent-Challenge
Foto: Anna Frost
Es ist Raceday: Start des Hauptlaufs und der 2x5km Staffel ist 11:00 Uhr. Die Kids starten auf ihrer 1km langen Strecke eine Stunde früher. Auch die wollen wir uns nicht entgehen lassen und machen uns rechtzeitig auf die Socken. Parkplatz bei der Burg, machen wir uns auf den Weg runter in den Ort. Der Finisherbereich ist schön aufgemacht. Die Infrastruktur ist erste Sahne. Duschen, Umkleiden, WCs, Gepäckaufbewahrung und Massagebereich sind alle dicht zusammen und in unmittelbarer Nähe zum Start. Wir holen unsere Unterlagen, das geht echt schnell hier. Um 10:00 Uhr starten die Kids und legen los. Die ersten drei Jungs kommen deutlich unter vier Minuten ins Ziel, der erste in 3:40 min. Chapeau! Aber auch die Mädels lassen's krachen und nicht lange auf sich warten. Platz 1 in 3:54 min. Hut ab! Die Aufregung und der Bock steigen dadurch noch mehr. Umziehen, Sachen abgeben, warm machen. Im Startblock nochmal alle MaliCrewler zum gegenseitigem gutes Gelingen wünschen aufsuchen und einreihen. Punkt 11:00 Uhr, der Schuss. Die knapp 300 Starter gehen ab. Ich kann mich von Beginn an recht weit vorne einreihen und gehe den ersten Anstieg mit Respekt an. Ich will mich nicht gleich hier zurichten. Durch den Testlauf vom Freitag weiß ich was mich noch erwartet. Der Berg kommt mir dennoch länger vor, als vor ein paar Tagen. Oben in der Siedlung das erste große Stimmungsnest. Lauthals wird man die letzten paar Meter nach oben getrieben. Transparente, Fahnen, Zurufe, lautes klatschen, krass! Den Lärm höre ich noch eine ganze Weile hinter mir. Da haben auch viele andere Läuferinnen und Läufer gerade einen Motivationsschub bekommen. Es geht geradeaus und ich kann mein angepeiltes Tempo gut halten, merke aber bereits den Berlin Marathon von letzter Woche in den Beinen. Ich verliere einen Platz. Egal, weitermachen und bergab jetzt etwas runterkommen. Da höre ich hinter mir Schritte und werde erneut stehengelassen. Irre wie der hier runterpfeift. Nix zu machen. Die erste Verpflegungsstation kommt und kurz darauf die Nankendorfer Mühle. Erneut ein Stimmungsnest, was Mut macht. Das nächste Stück geht wunderschön geradeaus entlang der Wiesent. Links ragen die markanten Felsen der Fränkischen Schweiz hervor. Sensationelle Landschaft & sensationelles Event geht mir durch den Kopf. Auf der Ebenen kann ich wieder einen Platz gut machen, merke aber mittlerweile noch deutlicher, dass Berlin seinen Preis verlangt. 
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Foto: Gerhard Illig
Die Beine werden schwer, und zur Burg muss ich auch noch hoch. Ich kann trotzdem etwas Boden gewinnen und laufe weiter. Wieder zurück in Waischenfeld höre ich schon das nächste Stimmungsnest. Noch etwa 100 Meter und dann in eine kleine Senke. Da unten ist die Hölle los! Rechts und links an der Straße steht alles voller Menschen. Hier ist lautstärketechnisch gesehen der halbe Ort versammelt. Banner, Trommeln, Rasseln, Höllenlärm. Ich laufe in diesen gefühlten Tunnel rein und genieße jeden Schritt. Die Menschen treiben einen förmlich den Berg zur Burg herauf. Überall sind Leute und pushen. Ich würde so gerne hier hochballern, der Kopf schreit danach, aber die Beine machen zu. Kurz mal ein Stück gehen, Kraft sammeln, dennoch wird man hier richtig hochgezogen. Ich verliere wieder einen Platz. Wieder egal. Das macht einfach zu viel Spaß hier. Oben sind die Beine gefühlt endgültig durch und ich komme durch den Burghof. Musik, Klatschen, Rufe, top Stimmung. Stark! Und das beste: Ab jetzt geht es wieder nach unten und dann nur noch Bretteben. Ich kann den verlorenen Platz wieder zurückerobern. Den Berg runter geht's ab jetzt nur noch flach bis ins Ziel. Ist aber noch ein Stück. Etwas vor mir sehe ich noch einen Läufer. Ich merke dass ich langsam näherkomme, immer näher, geht da noch was? 
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Das hat richtig Spaß gemacht hier!
Foto: Anna Frost
Ca. 800m vor dem Ziel mobilisiere ich meine letzten Körner und bin fast dran. Aber er lässt nicht locker und meine Beine sind zu schwer, geben nichts mehr her. Der ist weg. Nochmal egal. Dieses Event war einfach zu schön, um sich irgendwie den Kopf drüber zu zerbrechen ob man noch wen eingeholt hätte oder nicht. Ich höre den Ansager im Ziel, die Menschen jubeln den Läuferinnen und Läufern zu. Ich komme an und bin glücklich da zu sein. Superglücklich! Die Sonne hat wieder einen sehr schönen Herbsttag gezaubert. Stimmung, Organisation, Starterfeld, Landschaft, alles vom feinsten. Tolle Veranstaltung, die Challenge an der Wiesent. Und mein Fazit? Sehr gerne wieder!

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Nicht ohne mein Team!

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