Interview mit Oliver Popp

Servus Olli, cool dass du dir die Zeit nimmst. Wir kennen uns ja jetzt doch schon eine Weile aus der MaliCrew. Aber erzähl den Lesern mal was von dir. Wie alt bist du? Woher kommst du? Und wie bist du zum Läufer geworden?

Hi! Ich bin der Olli, befinde mich im zarten Alter von 56 Jahren und bin in Bayreuth geboren, aufgewachsen und beheimatet. Zum Laufen bin ich – abgesehen von den ersten Lauferfahrungen als Kleinkind – während meines Studiums gekommen, als die zahlreichen Genussmittel und das leckere Essen in der Mensa mein Gewicht und die Klamotten sprengten. Geholfen hat mir beim Laufeinstieg eine Laufgruppe mit erfahrenen Marathonläufern. Ich habe mich in meinem Leben schon immer sportlich betätigt: von Fußball, Tennis, Ski Alpin, Klettern, Bergtouren, Eishockey, Ski Nordisch, bis hin zum (Renn-)Radfahren war, bzw. ist alles dabei. Beim Laufen bin ich letztendlich geblieben – was sicherlich auch mit meinen Erfolgen zusammenhängt.

Aber bist du eigentlich lieber alleine unterwegs oder doch eher gesellig in der Laufgruppe? Was gibt dir das Laufen?

Teils bin ich gerne alleine unterwegs, zum anderen schätze ich aber auch das Laufen in Geselligkeit, vor allem mit den Laufbuddies „unserer“ MaliCrew. Als Läufer ist man ja grundsätzlich Individualsportler und jeder läuft sein eigenes Tempo. Deshalb gibt mir das alleine laufen auch sehr viel Freiheit: den Kopf frei zu bekommen („Kopf aus – Beine an“), abzuschalten, meine eigene Distanz, Strecke oder das Tempo frei zu bestimmen, die Natur zu genießen, einfach draußen zu sein oder meine eigene „Laufmucke“ während des Laufens zu hören. Das Laufen gibt mir aber auch das Gefühl von Fitness und die Freude an der Bewegung an sich.

Man sagt ja, dass jeder Lauf zählt, egal wie lang er ist. Außer beim Streak, da muss es mindestens eine Meile sein. Was ist denn deine Lieblingsdistanz?

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Eine bestimmte Lieblingsdistanz gibt es für mich nicht – ich bin auf allen Strecken gerne abwechselnd unterwegs: von kurzen, knackigen Läufen wie zum Beispiel beim Bahntraining oder auch bei „Langen Läufen“ im Rahmen einer Marathonvorbereitung. Da ich mich zur Zeit vorwiegend Duathlon-Wettkämpfen widme, liegen die Laufdistanzen eher im mittleren Bereich, d.h. Lange Läufe über 30k sind hier eher nicht nötig. Ultraläufe habe ich dagegen noch nicht absolviert und auch nicht geplant. Das ist nichts für mich – die Marathondistanz reicht.

Und die Frage aller Fragen: Ruhiger Dauerlauf oder doch lieber ballern auf der Bahn?

Das „Ballern“ auf der Bahn macht mir eindeutig mehr Spaß, weil man hier seine Grenzen besser ausloten kann.

Mit der Antwort hatte ich gerechnet 😀. Und wie steht es um deine Bestzeiten und Erfolge?

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Training zahlt sich aus und
im Winter geht's eben auf die Rolle

Meine Bestzeiten sind schon ein paar Jahre her und aufgrund meines nun doch schon fortgeschrittenen Alters wohl nicht mehr zu toppen:

Marathon: 2:58:15 Std. (Lanzarote, ESP, 2017)
Halbmarathon: 1:22:54 Std. (Beirut, LBN, 2017)
10k: 36:24 min. (Kersbach, GER, 2018)
3000m: 11:15 min. (DSV-Challenge, Bayreuth, GER, 2021)

Bayerischer Meister Duathlon 2021 (Sprint) AK M55 
Oberfränkischer Meister Crosslauf 2020 AK M55 
Oberfränkischer Meister 10k 2021 AK M55 
Stadtmeister Bayreuth 2021 über 10km
Lanzarote-Marathon 2017 Platz 1 AK M50
SalomonTrails4Germany Kulmbach 2017 Platz 1 Senior Masters 
Almaty-Marathon 2018 Platz 1 AK M50
Desert-Eilat-Marathon 2015 Platz 1 AK M50 
Schliersee-Halbmarathon 2020 Platz 1 AK M55
Kiew-Halbmarathon 2019 Platz 1 AK M55
Beirut-Halbmarathon 2017 Platz 1 AK M50 


Wow, das kann sich echt sehen lassen. Wie hast du das alles erreicht?

Erreicht habe ich meine Bestzeiten durch kontinuierliches und permanentes Training das ganze Jahr über, wobei das Training nicht immer einer Struktur oder einem Plan folgt. Während meiner über 17-jährigen Erfahrung von über 140 Wettkämpfen habe ich zum Beispiel meine Marathonvorbereitung „im Gedächtnis“, verfolge dabei immer einer 12-wöchige Vorbereitung und versuche, sieben bis acht Lange Läufe einzubauen und die wöchentlichen Umfänge und Tempi zu steigern. Die Bestzeiten auf den Mittel- bis Unterdistanzen sind Folge des mitunter harten Bahntrainings.

Du bist krass fit, lässt manchen Mittzwanziger stehen, und räumst in deiner Altersklasse des öfteren ab. Letztes Jahr kam dann auch was von der DTU rein. Wie kam es denn dazu?

Die Nominierung für die Altersklassen-Nationalmannschaft für die Duathlon-EM kam nach meinem ersten Duathlonwettkampf in Hörmannsdorf zustande. Für den Duathlon habe ich mich entschieden, da ich kein Wettkampfschwimmer bin und lieber das mache, worin ich gut bin. Bei dem Duathlonwettbewerb in Hörmannsdorf habe ich mich als Zweitplatzierter meiner AK direkt für die AK-Nationalmannschaft für die EM qualifiziert.

Glückwunsch😊! Und wie fühlt sich das an? Wie sieht deine Vorbereitung aus? Trainierst du strikt nach Plan oder eher nach Gefühl?

Die Nominierung für die AK-Nationalmannschaft fühlt sich für mich grandios an: es ist für mich eine Ehre, unsere Nationalfarben bei einer EM oder WM international zu vertreten. Das ist natürlich auch Verpflichtung, permanent zu trainieren und dafür alles zu geben. 

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2022 geht's für Olli zur
Duathlon EM

Strikt nach Plan trainiere ich dabei nicht: ich versuche dabei, zwischen Lauf- und Radtraining zu wechseln, ab und zu Koppelläufe durchzuführen, Alternativtraining wie zum Beispiel Skating im Winter zu betreiben und regelmäßig Stabi-Training zu machen. Ich vertraue dabei auch auf mein Gefühl und versuche, auf meinen Körper zu hören. Ich weiß, dass ich dabei manchmal überziehe und unvernünftig bin, was das Training anbelangt. Als Folge davon muss ich mit diversen Verletzungen meinem Körper Tribut zollen. Zu einer guten Lebensführung gehört für mich auch auf die für Leistungssportler wichtige gesunde Ernährung zu achten: viel Obst und Gemüse, wenig bis selten Fleisch, ab und zu Fisch, wenig Zucker und nach harten Einheiten Porridge oder Müsli mit Beeren. Selten bis gar kein Alkohol und Nichtrauchen versteht sich von selbst.

Welchen Ausgleichssport treibst du? Und wenn's hier und da mal zwickt, was machst du dann?

Als Ausgleichssport betreibe ich Rennradfahren, im Winter Skating und ein Athletikprogramm zur Körperstabilisation. Bei Verletzungen fühle ich mich bei einer bekannten Sportmedizinerin in sehr guten Händen. Dies gilt auch für regelmäßige Physiotherapie bei meinem vertrauten Physiotherapeuten.

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Musstest du schon Rückschläge einstecken? Wie bist du damit umgegangen?

Ja, Rückschläge gehören im Leistungssport dazu: ich hatte bereits mehrere Ermüdungsbrüche, mit einem bin ich sogar schon mal einen Marathon gelaufen, ohne dass ich es wusste. Ein Arzt hatte eine Fehldiagnose gestellt. Ein weiterer Ermüdungsbruch führte zu einer Zwangspause vom Sport von einem Dreivierteljahr. Die lange Zeit ohne Sport war für mich katastrophal: zum Einen die Laufbuddies vom Verein trainieren zu sehen und die Wettkampfteilnahmen mitzubekommen, an denen ich selbst gerne teilgenommen hätte und zum Anderen die Ruhe- und Rastlosigkeit ohne Sport, der für mich einen wichtigen – wenn nicht sogar den wichtigsten – Lebensinhalt darstellt. Der Umgang mit der Verletzungspause führte mich zu der Erkenntnis, dass es auch ein Leben ohne Sport geben muss und habe für mich deswegen auch andere Hobbies entdeckt.


Trotz diesen Rückschlägen hast du viel erreicht. Welche Ziele hast du noch vor Augen?

Zum Einen das Ziel, noch möglichst lange im Alter fit und gesund zu bleiben und mich so lange wie möglich sportlich zu betätigen; zum anderen brennt in mir immer noch das Feuer, an Wettkämpfen teilzunehmen und mich mit anderen Sportlern meiner AK zu messen. Wenn dabei noch die eine oder andere Podestplatzierung herausspringt, ist die Motivation für weitere Wettkämpfe gegeben.

Allerbesten Dank für das Interview Olli 😉. Und was willst du uns zu guter letzt noch mit auf den Weg geben?

Bei Rückschlägen nie aufzugeben: „Weiter, immer weiter!“ Sich selbst Ziele zu setzen, die objektiv zu schaffen sind und sich durchzubeißen, sei es in Wettkämpfen oder auch während harter Trainingsphasen, wenn man dabei an sich selbst zweifelt. Ausdauersport findet zu einem großen Teil im Kopf statt, deshalb ist es sinnvoll, sich mit Mentaltraining und Renntaktik zu befassen. Bei all dem ganzen Wettkampfcharakter sollte man dabei aber auch nie den Spaß verlieren: wir sind alle keine Profis, machen das letztendlich aus reinem Selbstzweck. Dabei helfen Laufbuddies und ein cooler Verein, in dem man sich wohlfühlt.

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