Interview mit Mathias Weissnicht

Hallo Mathias, Danke für deine Zeit und dass das hier klappt, erzähl mal ein wenig von dir. Woher kommst du? Und welchen Einfluss hat das Laufen auf dein Leben?

Ich komme aus Tirol, genauer gesagt aus Axams, in der Nähe von Innsbruck. Früher als lauffauler Fußballspieler habe ich Laufen gehasst, mittlerweile gehört es zu mir. Ich kann einfach abschalten und genießen.

Du läufst sehr viel durch die Berge. Wieviele Kilometer und vor allem Höhenmeter kommen da so pro Woche und Monat zusammen?

Da ich Familie habe, muss ich mir das immer gut einteilen, aber ich bin wirklich sehr zufrieden mit der Zeit, die ich habe. In der Woche kommen so zwischen 30-60km zusammen und ungefähr zwischen 1000-2500 Höhenmeter, je nachdem, was ich trainiere. Ich finde, dass es nicht unbedingt zeitintensiver ist als der Aufwand den ein Straßenläufer hat. Ich lauf eben mehr hinauf, was der andere dafür weiter läuft.

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Mathias kennt seine Gipfel

Hast du deinen Hausberg oder fährst du auch mal weitere Strecken zum Trainieren? Wieviele Gipfel hast du mit der Zeit schon erklommen?

Ja, mein Hausberg ist bestimmt die Saile (besser bekannt als Nockspitze), das geht von der Haustür weg und es sind ca. 1500hm und ca. 9km. Aber auch das Axamer Kögele ist eine meiner Lieblingsstrecken, was aber ein absolutes Vertical ist mit 3,8km und 1130hm 😊. Das ist genau das, was mir gefällt. Puhh, wieviele Gipfel es sind ist schwierig zu sagen, da es wirklich oft die Gleichen sind. Aber es waren schon einige denk ich.



Ist dann wie bei mir das Fichtelgebirge, oft die Gleichen, wird aber nie langweilig😊. Wenn ich in den Bergen bin sehe ich oft Leute die sich mit der Gondel hochfahren lassen, kurz ein Selfie machen und dann wieder runterfahren. Sollte man die Zeit und Aussicht am Gipfel nicht viel länger auf sich wirken lassen?

Naja, da stell ich mir immer die Frage: Ist es das gleiche Gefühl, wenn man sich Stundenlang irgendwo raufquält egal ob laufen oder wandern, oder ob man mit der Gondel schnell schnell rauffährt um ein Foto zu machen? Ich denke das sind 2 Paar Schuhe, auch wenn das Ziel natürlich das gleiche ist. Ich persönlich lass am Berg immer alles auf mich wirken: Bäche, Tiere einfach die Gegend. Das geht auch schon während dem Laufen, und genau das macht es für mich aus. Am Gipfel selbst bin ich meistens auch nicht lange, da einfach mittlerweile leider viel zu viel los ist, vor allem am Wochenende.

Suchst du auch mal die Gemeinschaft beim Laufen, oder brauchst du die Gipfel ganz für dich allein?

Also ich muss ehrlich sagen am liebsten lauf ich alleine, da man einfach machen kann wie es einem Spaß macht. Natürlich hab ich auch meine Lauffreunde mit denen ich auch ab und zu am Weg bin. Was ich genauso genieße wie alleine. Aber alleine ist man einfach unabhängiger.

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Mathias' Ausgleich im Winter

Trainierst du auch im Winter in den Bergen? Auf was sollte man achten, wenn man sich auf Schnee und Eis in die Höhe wagt?

Ja, aber im Winter bin ich eigentlich dann mit Tourenski am Weg. Ich find es eine tolle Abwechslung und man schont auch seine Gelenke ein bisschen. Laufen im Winter ist ganz selten. Von November bis Ende März sieht man mich eigentlich nur mit Tourenski beim Skibergsteigen. Also man sollte sich schon auf auskennen, natürlich die Schnee- und Lawinensituation im Auge haben und auch dementsprechend ausgerüstet sein. Sonst hat man da absolut nichts verloren.




Zum Thema Ausrüstung beim Traillaufen kannst du sicher auch was sagen. Welche NoGo's sollte man unbedingt vermeiden?

NoGo's? Schwierig zum sagen, denn jeder hat so seine eigenen Vorlieben beim laufen und natürlich auch bei der Ausrüstung. Wo ich oft sage wie kann man nur mit dem laufen, sagen andere wieder sie lieben es. Deshalb find ich das wirklich eine schwere Frage. Was ich auf aber sagen würde ist: Bitte zieht in den Bergen auch das entsprechende Schuhwerk an (griffige Sohle, fester Halt, usw.) denn das kann sonst wirklich gefährlich werden.

Du startest auch bei Trailwettkämpfen. Was war dein härtestes Rennen?

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Vom lauffaulen Fußballer zum Trailrunner
Ja genau. Weil einfach das ganze Drumherum wirklich toll ist. Ich find beim Trailrunning ist man eine große Familie. Auch während dem Rennen bekommt man es mit, da hilft auch jeder jedem und so soll es auch sein. Schließlich geht es einfach um die goldene Ananas und den Spaß 😊. Mein mit Abstand härtestes Rennen war letztes Jahr beim Stubai Ultra die 31k Strecke, das sind rund 31km und 3100hm. Es war zum Schluss ein purer Kampf, aber es war einfach unglaublich dann im Ziel anzukommen. Am Ende konnte ich mich über Platz 12 bei den Herren freuen, was für mich natürlich ein unglaubliches Ergebnis ist. Aber wie es oft ist bei Läufern, hab ich mich natürlich sofort wieder angemeldet für heuer.

Das kenne ich doch irgendwoher 😁. Wie sieht dann dein Trainingsalltag so aus? Trainierst du strukturiert nach Plan oder eher nach Gefühl? Ausserdem ist ja mit das wichtigste, auf seinen Körper zu hören. Warst du schonmal ernsthaft verletzt?

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...und natürlich niemals den Spaß verlieren,
das steht an oberster Stelle
Ich trainiere 3-4mal die Woche wie es einfach die Zeit zulässt, und wenn es mal nur 2x ist, dann geht die Welt auch nicht unter. Ich persönlich trainiere ohne Plan und finde es auch „besser“ da man einfach machen kann auf was man Lust hat. Ist man einmal müde, dann läuft man gar nicht oder einfach eine kleine Strecke, hat man einen super Tag dann kann es auch mehr sein, mit Höhenmetern und länger. Soll aber nicht heißen, dass ich Trainingspläne nicht gut find. Es soll einfach jeder für sich selbst entscheiden was einem besser passt und wo man den Spaß nicht verliert. Ich hab Gott sei Dank noch keine ernsthafte Verletzung gehabt, nur die klassische Überlastung die ja bekanntlich so jeder Läufer kennt (leider). Ich persönlich find der Körper zeigt einem wenn man mal Pause braucht und etwas weniger machen soll. Und genau das ist wichtig, diese Zeichen ernst zu nehmen und auch drauf zu hören, und nicht auf „wird schon gehen“ machen. Denn dann kommt irgendwann der Hammer.

Welche Tipps hast du für Laufeinsteiger parat?

Das wichtigste ist bestimmt nicht übertreiben und alles mit der Ruhe machen. Mit Gewalt geht gar nichts. Und was ich persönlich wichtig find am Anfang: viel niederpulsige Dauerläufe um die Grundlagen zu trainieren. Der Rest kommt dann von selbst 😊. Und natürlich niemals den Spaß verlieren, das steht an oberster Stelle. Dann kann nichts mehr Schief gehen.

Das war's leider auch schon fast... aber eine Frage noch: welche Ziele hast du dir für die Zukunft gesteckt?

Den Spaß niemals verlieren, und meinem Motto treu zu bleiben.

„Was geht das geht, was nicht geht, geht sowieso nicht!“

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