Sonntag, 4. Dezember 2022

Mountainman in Pommelsbrunn

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Zum Jahresende steht nochmal Trailrunning auf dem Plan
Nochmal aufgesetzt in die Kamera lächeln... Der Fotografin fällt es nicht auf. Oder doch? Sicher merkt sie, dass das Lachen und der Daumen nach oben eigentlich mehr gespielt sind. Was soll's. Lächeln, während der schwarze Mann im Hinterkopf sein trauriges Lied spielt. Das ist ein echtes Brett hier. Und ich langsam echt durch. Auf den ersten 10km hat die Uhr schon fast 500hm angezeigt. Mittlerweile sind es irgendwas über 800 und noch ein paar Kilometer zu laufen. Das Feld hat sich mittlerweile auseinandergezogen, ich laufe meistens allein, das ist aber eigentlich okay, denn die Landschaft ist wirklich toll und das macht ohnehin echt Spaß hier. Aber von vorne... Der Mountainman war mir aus 2019, von meinem Lauf in Reit im Winkl schon ein Begriff. Mittlerweile haben es die Läufe der Trailrunningserie auch in meine Region geschafft und so hab ich nicht lange überlegt und mich für den Lauf in Pommelsbrunn angemeldet. Die Mountainman Läufe sind vielseitig. Es gibt verschiedene Streckenlängen, Trailrun mit und ohne Hund, Wandern mit und ohne Hund, alles dabei. Für mich sollte es zum Jahresabschluss die L-Strecke mit 30km und mehr als 1000hm werden. Die Vorfreude war groß. Diesmal wollte ich es aber anders angehen, als in Reit im Winkl. Dort war ich nicht mit der nötigen Pflichtausrüstung gestartet da ich mich kurzentschlossen, während meines Urlaubs, dort angemeldet habe. Ich wurde zweiter auf den 10km, also zumindest kurzzeitig denn ich hatte etwas später ein dickes DSQ in der Ergebnisliste stehen. Das sollte mir diesmal nicht passieren. Also Laufrucksack gepackt und alles rein was gefordert ist: Erste Hilfe Set, Smartphone, Stirnlampe, Ausweis, etc., ein Liter zu trinken und eine Jacke. Diesmal sah das ganze schon deutlich besser aus. Um 06:00 Uhr ging der Wecker, anziehen, Frühstück, los geht's. Ich laufe heute als einziger von der MaliCrew, was mir mittlerweile seltsam vorkommt. War lange nicht allein auf einem Wettkampf. Also kommt Viki als Motivation mit. Knappe 50 Minuten später sind wir in Pommelsbrunn und finden sogleich einen Parkplatz. Der Weg vom Auto zum Start ist nicht weit. Unterwegs kommen uns die XL-Streckler auf ihren ersten Metern des 42km langen Laufs entgegen. Start der L-Strecke ist um 09:00 Uhr. Gibt also keinen Grund sich zu stressen. Vor Ort dann das gewohnte, schöne Mountainman Feeling. Schöner Zieleinlauf, großer Start-Zielbogen, jede Menge Fahnen, Musik und gut gelaunte Leute. Startnummernausgabe ging völlig entspannt von der Hand, schnell und unkompliziert. Im Sportheim des SC Pommelsbrunn konnte noch im warmen gewartet werden, bis es losgeht. Vor dem Einlass in den Startbereich dann der obligatorische Check vom Helfer, ob alles im Rucksack ist und er winkt mich freundlich rein. Passt. Der Ansager heizt den Leuten ein und so vergehen die fünf Minuten warten bis zum Start wie im Flug. Pünktlich um neun setzt sich das Feld in Bewegung. Erstmal ein Stück ebene Straße zum warmwerden, ehe es auf den ersten Anstieg hinaufgeht. Nicht viel später dann schon die erste Gehpassage. Es sollten weitere Folgen, wie ich noch erfahren werde. Die Strecke ist wie eine acht aufgebaut: eine Schleife nördlich von Pommelsbrunn, dann zurück und am Start/Zielbereich vorbei, danach noch eine Runde südlich von Pommelsbrunn. Beide Runden mit knackigen Anstiegen, aber auch mit toller Landschaft, die die Mühen wieder gutmacht. Auf den hohen Stellen liegt richtig schön Schnee, im Nebel sieht alles echt mystisch aus. Schon genial hier. So kann das weitergehen.

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Nach einigen Anstiegen wird man mit
bestem Ausblick belohnt
Am ca. höchsten Fleck kommt ein toller Aussichtsspot. Mindestens ein Foto, ehe es weitergeht. Kurz bevor es auf die Durchquerung von Pommelsbrunn auf die Südroute geht, kann ich es bergab nochmal schön rollen lassen. Dann zwei flache Kilometer zum Beine ausshaken und ab auf den südlichen Teil der Tour. Hier bleibt es erstmal human, ehe irgendwann die weiteren Höhenmeter ihren Tribut verlangen. Die Gehpassagen werden mehr, der Puls höher. Dafür hole ich viele Wanderer mit ihren Hunden ein. Hier und da verteil ich eine Streicheleinheit. Das pusht mich auch irgendwie, denn ich bekomme im Gegenzug mal ein lächeln, oder einen motivierenden Spruch zugesteckt. Langweilig wird's hier nicht. Spätestens jetzt bin ich aber immens dankbar, dass ich mir die GPX-Daten auf die Uhr geladen habe. So kann ich über das Höhenprofil nachsehen, was noch kommt. Hier oben sind es jetzt noch drei ordentliche Anstiege, ehe es auf den letzten 3-4km zurück nach Pommelsbrunn nur bergab geht. Mein Ziel war insgeheim das ganze in 3:00:00h zu schaffen. Momentan sieht es mit einer 6:10er Durchschnittspace nicht danach aus, aber vielleicht geht bergab noch was. Die letzten Anstiege hier oben haben es in sich. Auch weil die Beine mittlerweile schon gut in Mitleidenschaft gezogen sind. Mir fällt mein Pocket Porridge ein, vielleicht gibt das noch ein paar Körner? Gehpassage, Laufgürtel auf, Snack raus und rein damit. Weiter oben hör ich Kuhglocken und laute Zurufe für die Läuferinnen und Läufer. Die machen da oben gut Lärm und peitschen uns nach oben. Beim nächsten Hügel links rum und nochmal aufgesetzt in die Kamera lächeln... Der Fotografin fällt es nicht auf. Oder doch? Sicher merkt sie, dass das Lachen und der Daumen nach oben eigentlich mehr gespielt sind. Was soll's. Lächeln, während der schwarze Mann im Hinterkopf sein trauriges Lied spielt. Das ist ein echtes Brett hier. Und ich langsam echt durch.
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Tolle Sich auf den Happurger See
Ich schaue auf die Uhr. Ein Höhenmeterspender kommt noch. Ich kann einen Mitläufer einholen. Der sagt, dass auch bei ihm der Stecker langsam draußen ist. Nach der vierten Verpflegungsstation dann das letzte mal bergauf. Da oben läuft hart laut The Offspring, auch das zieht mich nach oben. Wahnsinn was Musik bewirken kann. Oben werde ich mit einem traumhaften Blick auf den Happurger Stausee belohnt. Astrein, von jetzt an geht das nur noch runterwärts. Aber erstmal Ernüchterung. Rollen lassen ist hier nicht. Zumindest für mich nicht. Andere lassen es da schon mehr krachen. Es folgt ein ordentlich technischer Singletrail mit Wurzeln, Steinen, Matsch. Das geht nochmal auf die Knochen, ich wünsche mir einen ganz normalen Wirtschaftsweg aus Watte. Alles in allem zeigt sich auch hier nochmal, dass die Pflichtausrüstung, die mitzunehmen ist, echt Sinn macht. Wenn man hier oben ekelhaft stürzt, kann das wirklich hässlich werden. Ich habe den Singletrail hinter mir und kurz vor Reckenberg ist der Rest der Strecke dann ein schöner breiter Weg. Ohne technisches Geschick läuft das hier wie von selbst bergab. Ich kann noch was für meinen Schnitt tun, der sich langsam unter die 6er Pace Marke senkt. Zwei Kilometer noch. Ich höre den Zielbereich. Da steht Viki am Wegrand und läuft das letzte Stück mit mir mit. Wie cool war das denn heute bitte? Am Ende laufe ich in 2:55:06h ins Ziel. Platz 7 hätte ich heute Morgen nie erwartet. Und das Lächeln jetzt? Ist schon gar nicht mehr so aufgesetzt... 

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Dienstag, 8. November 2022

Der Rothenburger Lichterlauf

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Auf zum Rothenburger Lichterlauf

Der Euro fliegt, ich fang ihn und decke ihn auf meinem Handrücken auf. Kopf... Von Rothenburg ob der Tauber habe ich bislang nur Gutes gehört. Schöne, alte Stadt mit toller Stadtmauer und vielen alten Gebäuden soll sie sein. Irgendwann war ich wohl als Kind schonmal hier, kann mich aber nicht mehr so wirklich dran erinnern. Vom Lichterlauf kam ebenfalls nur positives in meine Ohren. Vielleicht sollte ich das ja endlich mal kombinieren. Wenn es schon im letzten Jahr nicht geklappt hat, dann vielleicht in diesem Jahr. Ein Wochenende in Rothenburg, mit Lichterlauf. Also ab auf die Website und schnell anmelden, dann steht es fest und es gibt nix mehr dran zu rütteln. Die Saison ist zu Ende, die Wettkämpfe in Bad Staffelstein, in Bamberg, der Mainauenlauf und der Kuckuckslauf sind vorbei, der Berlin Marathon als eines der Highlights ebenfalls. Da kommt so ein besonderes Event doch gerade richtig, um einen schönen Abschluss zu haben. Aber was stellen wir in Rothenburg an? Nochmal einen raushauen? Oder doch lieber entspannt ein paar Runden innerhalb der Stadtmauern drehen? Die Münze soll entscheiden, denn ich kann es diesmal irgendwie nicht wirklich. Kopf: Genusslauf / Zahl: was schnelles. Der Euro fliegt, ich fang ihn und decke ihn auf meinem Handrücken auf. Kopf. Geil! Das wird richtig gut! Kurzentschlossen haben sich Micha und seine Frau Iris auch noch angemeldet. Kommt also auch noch beste Gesellschaft dazu. Viki, Micha und ich haben uns für die vier Runden entschieden, 8400m. Iris macht die zwei Runden über 4200m. Ausser dem was wir laufen, gibt es einen KiGa Lauf mit 400m und eine Walking Strecke über 4200m. Daneben steht noch ein Schulcup mit je 1000m und 2000m an, mit dem das ganze Fest um 17:00 Uhr beginnt. Wird also ein gutes und langes Programm geboten. Am Freitag wollen wir direkt nach der Arbeit losfahren. Also nur kurz nach Hause, umziehen, dann Viki abholen und ab auf die Autobahn. Nichtmal zwei Stunden später sind wir schon da und fahren durch das Stadttor. Vorbei am bekannten Plönlein, zum Hotel mitten in der Stadt. Beste Lage. Gerademal 150m bis zum Marktplatz. Einchecken, dann gleich ab in die Stadt und ein paar Eindrücke aufsaugen. Ein Traum hier. Wir laufen durch die vielen kleinen Gässchen, holen unsere Startunterlagen und unser Shirt ab und gehen Abends noch lecker beim Mexikaner essen, bevor wir die Lichter der Stadt genießen. Am nächsten Tag müssen wir dann natürlich die Stadtmauer besichtigen.

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Einmal rundherum sind wir ganz begeistert wie schön das alles hier ist. Über die Dächer geblickt sieht alles aus, als würde man ein Märchenbuch aufschlagen. So viel Fachwerk, alles so eng an eng gebaut, die ganzen Türme in der Stadtmauer. Es fallen immer wieder neue Details auf. So hat Rothenburg keine Straßenlampen die aus dem Boden ragen, alles was Licht macht hängt an den Häusern, ganz im alten Stil. Es gibt auch keine Leuchtreklame oder Drogerieketten in der Innenstadt, stattdessen Handwerkerläden und kleine private Geschäfte. Man fühlt sich in die Zeit zurückversetzt. Total genial. Traumhaft schön. Wir haben vieles gesehen, manches auch zwei oder dreimal, denn man kommt durch die kleinen Wege oft wieder zum gleichen Ort zurück, so verwinkelt ist es teilweise. Micha und Iris reisen irgendwann gegen Nachmittag an und so schlendern wir noch ein paar Runden durch die Stadt. Man kann sich nicht satt sehen. Heute Abend hier laufen gehen, die Vorfreude steigt. Hier und da wird auch schon kräftig für den Lauf aufgebaut. Strahler, Fackeln, Musik. Gegen Abends kommen wir wieder zum Marktplatz, wo auch der Start-Zielbereich schon steht und schön ausgeleuchtet ist.

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Die Häuserwände werden angestrahlt. Die Brunnen leuchten. Die Stimmung steigt schon. Die Musik ist laut. Es läuft Blink 182 und danach Green Day. Ich bin sofort wieder 17. Schon wieder eine Zeitreise. Den Schulcup schauen wir uns auf jeden Fall an, die Kids ein wenig anfeuern. Danach ins Hotel und umziehen. Stilecht mit Mainauenlauf Shirt geht's zum Start. Micha begleitet Iris auf ihrem Lauf ein wenig. Viki und ich warten noch und lassen die Stimmung auf uns wirken. Wir feuern die Läuferinnen und Läufer an und haben richtig Lust hier gleich selbst ein paar Runden zu drehen. Kurz vor dem Start zum Hauptlauf finden wir uns im Startbereich ein und sind gespannt auf das, was kommt. Der Mann mit dem Mikro heizt ein und zählt runter. Los geht's. Zuerst kann man es schön leicht bergein die Herrngasse runterrollen lassen, an deren Ende es durch das Burgtor und dann ein Stück im Burggarten, vorbei an Fackeln und leuchtenden Bäumen weitergeht. Der bunt angeleuchteten Stadtmauer entlang folgt ein kleiner Anstieg, kurz bevor man durch das Klingentor wieder in die Stadt läuft. Dann wird's erstmal dunkel. Aber man weiß wo es lang geht, denn die Straße hoch wird gut Stimmung gemacht. Der Anstieg hält an und wir hätten nicht gedacht, dass es hier doch einiges an Höhenmetern geben wird. Weiter des Weges kreuzt man die St.-Jakobs-Kirche und läuft durch einen langen Tunnel, der durch die Kirche geht. 

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Foto: Markus Zahn
Den Kirchplatz im Anschluss wird man wieder von gut gelaunten und gut anfeuernden Rothenburgern hinaufgetrieben. Auch die obligatorischen taphereforextrapowersupermariopilzschilder sind am Start. Genauso wie viele Lichter links und rechts. Dann hat es mit den Anstiegen erstmal ein Ende, denn ab jetzt geht es wieder dankbarst runter. Nochmal rollen lassen hier. Milchmarkt - Hafengasse - Marktplatz - vorbei an vielen klatschenden, anfeuernden Zuschauern ab in Runde zwei. Und das ganze jetzt noch dreimal? Liebend gerne! Das Feld hat sich mittlerweile gut auseinandergezogen. Mehr Platz für uns. Vorm Burgtor wieder der Typ der alle lauthals nach vorne peitscht. Der Burggarten leuchtet immernoch schön. Den Anstieg zum Klingentor hoch. Klingenschütt - Fuchsengässchen - Klingengasse - St.-Jakobs-Kirche. Es wird von Runde zu Runde keineswegs langweilig. Nach viermal ist das ganze dann aber leider doch irgendwann mal vorbei. Wobei es um nichts geht, und wir einfach noch eine Runde hätten ranhängen können, laufen wir dennoch am Marktplatz rechts hoch durch das Ziel, bekommen unsere Medaille und nehmen uns kurz drauf was am Finisherbereich. Hier gibt's Obst, warme und kalte Getränke und gut gelaunte Leute. Ein absoluter Genusslauf ist das hier. Bei diesem Ambiente hätte ich auch gar keine Lust auf was schnelles. Man würde einfach zuviel von der guten Stimmung und der tollen Atmosphäre verpassen. Die Münze hat also richtig entschieden, aber wenn ich ehrlich bin, wollte ich es auch genau so. Und ich denke wir kommen wieder. Da brauch ich diesmal keine Münze...

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Traumhafter Blick auf Rothenburg

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Foto: Markus Zahn

Donnerstag, 6. Oktober 2022

Die Challenge an der Wiesent...

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Streckencheck mit Charlotte, Dominik, Klaus und Viki
Wir laufen durch dieses tolle Tal während die Sonne rauskommt und für einen sehr schönen Herbsttag sorgt. Die Blätter sind zwar noch nicht ganz so bunt wie in ein paar Wochen, aber die Sonne steht schon recht tief und sorgt für ein sensationell tolles Licht und ein perfektes Laufambiente. Das sind jetzt die schönsten Laufabende. Raus zur goldenen Stunde, nicht zu kalt, nicht zu warm, genau richtig. Viki unterhält sich schon die ganze Zeit mit Charlotte. Dominik, Klaus und ich sind etwas weiter vorne und plaudern über das, was in wenigen Tagen bevorsteht: die Premiere der Wiesent-Challenge. Die drei bilden den harten Kern des Orgateams und waren, sympathisch wie sie sind, sofort bereit als ich angefragt habe wie es mit einem Testlauf aussieht. Und hier laufen wir nun. Vielen anderen vor uns gaben sie schon eine Erkundungstour entlang der Strecke der Wiesent-Challenge, also laufen sie die Route wohl zum gefühlt fünfundzwanzigsten mal innerhalb der letzten Wochen. Langweilig wird sie dabei aber sicher nicht. Sie haben die 10km Runde, die eine tolle Mischung aus Landschaft, Ortschaft, Panoramablick und Hotspots bietet perfekt ausgesucht. Start in Waischenfeld auf einer Brücke über die Wiesent geht es auch schon gleich auf die erste Steigung. Zur Siedlung hoch zieht es sich ein ganzes Stück, ehe die Piste vom Asphalt auf Schotterweg wechselt und schon gleich ein wenig was von Trailrunning verspüren lässt. Toller Ausblick inklusive. Im Anschluss lässt es sich bergab bis zur Nankendorfer Mühle gut rollen und dann auf ein langes ebenes Stück durch genau dieses schöne Tal, in dem wir hier gerade laufen. Auf dem Radweg joggen wir entlang der Landstraße zurück nach Waischenfeld. Dort wartet der zweite knackige Anstieg. Im Ort geht rechts weg und hoch zur Burg, die als sehr schöner Hotspot Eindruck macht. Im Burghof eine Runde gedreht, wird es dort eine Verpflegungsstation geben. Auf den letzten drei Kilometern nochmal auf ebener Strecke laufen lassen, wenn man sich nicht vorher an den Bergen abgeschossen hat, sollte Bock machen. Wir laufen wieder in den Ort, jeder der uns entgegenkommt spricht uns auf Sonntag an. Die Leute hier sind als Zuschauer auf jeden Fall genauso heiß drauf. Das wird ein Fest werden. Zurück auf der Brücke. Hier wird auch das Ziel sein. Die Uhr zeigt 10km an. Wir haben uns in diesen Kurs Blitzverliebt und sind gespannt auf das, was kommen mag. 
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Die Ruhe vor der Challenge
Foto: Anna Frost

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Startschuss zur Premiere der Wiesent-Challenge
Foto: Anna Frost
Es ist Raceday: Start des Hauptlaufs und der 2x5km Staffel ist 11:00 Uhr. Die Kids starten auf ihrer 1km langen Strecke eine Stunde früher. Auch die wollen wir uns nicht entgehen lassen und machen uns rechtzeitig auf die Socken. Parkplatz bei der Burg, machen wir uns auf den Weg runter in den Ort. Der Finisherbereich ist schön aufgemacht. Die Infrastruktur ist erste Sahne. Duschen, Umkleiden, WCs, Gepäckaufbewahrung und Massagebereich sind alle dicht zusammen und in unmittelbarer Nähe zum Start. Wir holen unsere Unterlagen, das geht echt schnell hier. Um 10:00 Uhr starten die Kids und legen los. Die ersten drei Jungs kommen deutlich unter vier Minuten ins Ziel, der erste in 3:40 min. Chapeau! Aber auch die Mädels lassen's krachen und nicht lange auf sich warten. Platz 1 in 3:54 min. Hut ab! Die Aufregung und der Bock steigen dadurch noch mehr. Umziehen, Sachen abgeben, warm machen. Im Startblock nochmal alle MaliCrewler zum gegenseitigem gutes Gelingen wünschen aufsuchen und einreihen. Punkt 11:00 Uhr, der Schuss. Die knapp 300 Starter gehen ab. Ich kann mich von Beginn an recht weit vorne einreihen und gehe den ersten Anstieg mit Respekt an. Ich will mich nicht gleich hier zurichten. Durch den Testlauf vom Freitag weiß ich was mich noch erwartet. Der Berg kommt mir dennoch länger vor, als vor ein paar Tagen. Oben in der Siedlung das erste große Stimmungsnest. Lauthals wird man die letzten paar Meter nach oben getrieben. Transparente, Fahnen, Zurufe, lautes klatschen, krass! Den Lärm höre ich noch eine ganze Weile hinter mir. Da haben auch viele andere Läuferinnen und Läufer gerade einen Motivationsschub bekommen. Es geht geradeaus und ich kann mein angepeiltes Tempo gut halten, merke aber bereits den Berlin Marathon von letzter Woche in den Beinen. Ich verliere einen Platz. Egal, weitermachen und bergab jetzt etwas runterkommen. Da höre ich hinter mir Schritte und werde erneut stehengelassen. Irre wie der hier runterpfeift. Nix zu machen. Die erste Verpflegungsstation kommt und kurz darauf die Nankendorfer Mühle. Erneut ein Stimmungsnest, was Mut macht. Das nächste Stück geht wunderschön geradeaus entlang der Wiesent. Links ragen die markanten Felsen der Fränkischen Schweiz hervor. Sensationelle Landschaft & sensationelles Event geht mir durch den Kopf. Auf der Ebenen kann ich wieder einen Platz gut machen, merke aber mittlerweile noch deutlicher, dass Berlin seinen Preis verlangt. 
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Foto: Gerhard Illig
Die Beine werden schwer, und zur Burg muss ich auch noch hoch. Ich kann trotzdem etwas Boden gewinnen und laufe weiter. Wieder zurück in Waischenfeld höre ich schon das nächste Stimmungsnest. Noch etwa 100 Meter und dann in eine kleine Senke. Da unten ist die Hölle los! Rechts und links an der Straße steht alles voller Menschen. Hier ist lautstärketechnisch gesehen der halbe Ort versammelt. Banner, Trommeln, Rasseln, Höllenlärm. Ich laufe in diesen gefühlten Tunnel rein und genieße jeden Schritt. Die Menschen treiben einen förmlich den Berg zur Burg herauf. Überall sind Leute und pushen. Ich würde so gerne hier hochballern, der Kopf schreit danach, aber die Beine machen zu. Kurz mal ein Stück gehen, Kraft sammeln, dennoch wird man hier richtig hochgezogen. Ich verliere wieder einen Platz. Wieder egal. Das macht einfach zu viel Spaß hier. Oben sind die Beine gefühlt endgültig durch und ich komme durch den Burghof. Musik, Klatschen, Rufe, top Stimmung. Stark! Und das beste: Ab jetzt geht es wieder nach unten und dann nur noch Bretteben. Ich kann den verlorenen Platz wieder zurückerobern. Den Berg runter geht's ab jetzt nur noch flach bis ins Ziel. Ist aber noch ein Stück. Etwas vor mir sehe ich noch einen Läufer. Ich merke dass ich langsam näherkomme, immer näher, geht da noch was? 
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Das hat richtig Spaß gemacht hier!
Foto: Anna Frost
Ca. 800m vor dem Ziel mobilisiere ich meine letzten Körner und bin fast dran. Aber er lässt nicht locker und meine Beine sind zu schwer, geben nichts mehr her. Der ist weg. Nochmal egal. Dieses Event war einfach zu schön, um sich irgendwie den Kopf drüber zu zerbrechen ob man noch wen eingeholt hätte oder nicht. Ich höre den Ansager im Ziel, die Menschen jubeln den Läuferinnen und Läufern zu. Ich komme an und bin glücklich da zu sein. Superglücklich! Die Sonne hat wieder einen sehr schönen Herbsttag gezaubert. Stimmung, Organisation, Starterfeld, Landschaft, alles vom feinsten. Tolle Veranstaltung, die Challenge an der Wiesent. Und mein Fazit? Sehr gerne wieder!

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Nicht ohne mein Team!

Donnerstag, 29. September 2022

MaliCrew goes Berlin Marathon 2022...

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Berlin Marathon 2022
Berlin Marathon 2022

Links vor mir dreht sich Mario rum... "Wir sind gleich da, Matze!". Nicht mehr weit. Ich zähl schon eine Weile die Kilometerschilder. Laut meiner Uhr sind wir eigentlich schon da, aber die ist ja vor ca. 7km ausgestiegen und zeigt mir alles mögliche an, aber nichts was Sinn macht. Ich versuche an ihm dranzubleiben, wir ziehen das hier schon so lange zusammen durch. Soll ich ihn einfach weglaufen lassen, jetzt, so kurz vor Schluss? Nein, wir beenden das zusammen. Sind sicher noch ein paar Körner da, die ich gerade irgendwo in den Tiefen meiner Waden, Oberschenkel und Lungen zusammenkratze. In letztere strömt immer wieder die Berliner Luft, die Atemfrequenz ist echt noch in Ordnung. Die Beine halten durch. Schwer sind sie dennoch. Die Füße sind Matsch, ich spüre die Blase am rechten Fußballen. Die Ermüdung steigt seit einer Weile, langsam, aber stetig. Kurz darauf sehen wir das Brandenburger Tor, wir sind da... Aber von vorne: Am Samstag sind wir hier in Berlin angekommen. Sachen abgeben und erstmal los zur Marathonexpo. Ein wenig drüberschlendern und schauen was es so gibt. Der Flughafen Berlin-Tempelhof macht Eindruck, auch wenn er gar nicht so riesig ist. Die Abfertigungshalle mit den stillgelegten Check-In Schaltern sieht aus, als würde sie immernoch auf Fluggäste warten. Aber niemand checkt hier mehr ein. Es geht gerade durch zur Expo. Dort gibt es so ziemlich alles was das Läuferherz begehrt. Die Starnummernausgabe, natürlich am Ende der Expo, man soll ja an allen Ständen mal vorbeilaufen 😉, funktioniert tadellos und schnell. Startpass vorlegen, Startnummer holen, fertig. Ich hab mich für die Kleiderbeutelvariante entschieden. Alternativ gäbe es einen Poncho nach dem Marathon, aber vor dem Start darf man keine Rucksäcke, sondern nur den Kleiderbeutel in den Startbereich mitnehmen und dort abgeben. Da fällt die Wahl leicht. Ich schau nach Gels, nehme mir hier und da ein paar mit, zum rumprobieren im Training. Oft wird man direkt englisch angesprochen.  Kein Wunder bei der breite an Nationen die hier vertreten sind. 

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Obligatorisches Startnummerfoto
auf der Marathonexpo

Wir halten für das obligatorische Startnummernfoto Ausschau nach einem passenden Platz und finden bald was. Viele Fotowände sind voll mit Menschen, hier steht man lange an. Nach dem Foto noch was essen gehen, dann wieder zurück in die Stadt. Ich fühle mich immernoch leicht verschnupft und mach alles davon abhängig wie ich morgen früh fühle. Wenn es nicht besser wird, starte ich nicht. Die Gesundheit geht vor. Mit leichtem Schnupfen ne halbe Stunde locker joggen gehen ist ja okay. Aber einen Marathon laufen? Vielleicht nicht ganz so cool. Ich werde heute nicht alt und hau mich eine Tablette später, gegen 22:00 Uhr ins Bett... Es ist noch dunkel, als am Morgen Wecker geht. Ich bin dennoch hellwach. Fasse mir an den Hals, alles top. Die Nase? Passt. Ich mach's! Ich stehe auf und mach mir eine Schüssel voll Müsli, dazu besten heißen Tee. Punkt 07:00 Uhr will ich in der U-Bahn sitzen. Die anderen pennen direkt am Hauptbahnhof im Hotel, Treffpunkt ist um 07:30 Uhr dort. Die U-Bahn Linie 6 bringt mich von Wedding zur Friedrichstraße, von wo aus ich mit der S-Bahn eine Station weiter zum Hauptbahnhof fahre. Durch meine Kopfhörer singt mir Shirley Davis was ins Ohr, perfekt um die Aufregung etwas zu dämpfen. Angekommen am Hotel, die restlichen MaliCrewler abholen. Alle da, alle fit. Kann losgehen. Wir laufen rüber zum Reichstag und machen uns im Start/Zielbereich auf den Weg zu den Ständen, an denen wir unsere Kleiderbeutel abgeben können. Hier und da muss man ein Stück weiter zu seinem Stand laufen, alles nach Startnummern sortiert. Die Suche dauert nicht lange und notfalls hilft einer der unzähligen Volunteers. Wir bewegen uns Richtung Startbereich und schlendern dort noch ein wenig rum. Etwa gegen 09:30 Uhr soll unser Block starten. Wir finden uns langsam dort ein. Hier und da war jeder nochmal für sich selbst unterwegs. Mario, Thomas, Mic und ich stehen bereit. Aber von Micha keine Spur. Die Profis starten unter dem Applaus der Läufer und Zuschauer. Die Bedingungen sind ein Traum. Leicht bewölkt, wenig Sonne, nicht zu warm, nicht zu kalt. Endlich dürfen etwas später auch wir ran. Die Läuferschar setzt sich in Bewegung. Langsam geht es Richtung Startlinie. Das Feld lockert sich und wir laufen los, über die Startlinie und Play auf der Uhr gedrückt, machen wir zusammen die ersten Schritte der 42,195km durch Berlin. Thomas will es etwas gemütlicher angehen und lässt sich zurückfallen. Nach 2km nimmt auch Mic mal kurz raus und ich laufe zu zweit mit Mario weiter. Eigentlich sollte Micha hier auch dabei sein, der ist aber weit und breit nicht zu sehen. Wir halten dennoch hier und da die Augen nach ihm offen, vielleicht entdecken wir ihn irgendwo. Hier laufen viele interessante Menschen mit. Ninja, Supergirl, König. Irgendwann überholen wir jemanden, der einen Baumstamm mit sich rumträgt. Krasser Typ. Es purzeln die Kilometer nur so runter und wir halten unser Tempo. Die Verpflegungsstationen alle paar Kilometer geben alles was man braucht. Nach 10km fühlt sich alles noch super gut an. Nach 15km auch, das geht schnell hier. Die Leute am Rand machen Party, Bands von Jazz über Klassik, Feuerwehrkapellen und Punkrock, runden das Programm am Straßenrand ab. 

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Man wird fast durchgetragen

Mario wird irgendwann zum Star der Zuschauer. Ich hab nicht mitgezählt wie oft ich seinen Namen gehört habe. "You doing a good Job!", "You're looking good!", "Yeah, Mario!". Aber auch ich werde ab und zu angefeuert. Das macht richtig Spaß hier. An den Verpflegungsstationen verlieren wir uns manchmal kurz, finden uns aber schnell wieder. Bei km 20 ist Mario plötzlich dennoch weg. Ich laufe einen knappen Kilometer alleine, nehme etwas Tempo raus und höre ihn hinter mir rufen. Da isser wieder. Irgendwie klappt das trotzdem alles. Kurz darauf komme ich in ein kleines Tief. Nach 25km hab ich ein erstes Loch, ziemlich früh, aus dem ich mich aber schnell wieder rauslaufen kann. Auch Dank der jubelnden Massen am Straßenrand, die einen hier fast durch die Straßen tragen. Bei km 30 überholen wir eine Frau, etwa 1,50m groß, drahtig, mit geschätzt etwas mehr als 70 Jahren Lebenserfahrung, und sicher mit einer 5er Pace unterwegs. Chapeau! Die rockt das! Irgendwann steht einer am Rand und brüllt in die Menge, dass Eliud Kipchoge mit neuem Weltrekord gewonnen hat. Unglaublich! Die Leute treiben uns weiter nach vorne, es wird dennoch langsam hart, aber immerhin bis km 35 lief alles glatt. Wir schreiben km 41 oder so... Links vor mir dreht sich Mario rum... "Wir sind gleich da, Matze!". Nicht mehr weit. Ich zähl schon eine Weile die Kilometerschilder. Laut meiner Uhr sind wir eigentlich schon da, aber die ist ja vor ca. 7km ausgestiegen und zeigt mir alles mögliche an, aber nichts was Sinn macht. Ich versuche an ihm dranzubleiben, wir ziehen das hier schon so lange zusammen durch. Soll ich ihn einfach weglaufen lassen, jetzt, so kurz vor Schluss? Nein, wir beenden das zusammen. Sind sicher noch ein paar Körner da, die ich gerade irgendwo in den Tiefen meiner Waden, Oberschenkel und Lungen zusammenkratze. In letztere strömt immer wieder die Berliner Luft, die Atemfrequenz ist echt noch in Ordnung. Die Beine halten durch. Schwer sind sie dennoch. Die Füße sind Matsch, ich spüre die Blase am rechten Fußballen. Die Ermüdung steigt seit einer Weile, langsam, aber stetig. Kurz darauf sehen wir das Brandenburger Tor, wir sind fast da.

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Ab durchs Brandenburger Tor

"Eigentlich müsstest du jetzt die GoPro rausholen", sagt er. Ich hatte die schon gar nicht mehr auf dem Schirm. Ich mach meinen Laufgürtel auf und kram die Kamera raus. Ja, durchs Brandenburger Tor könnte das echt gut aussehen. Wir laufen darauf zu und mitten durch, haben nur noch wenige hundert Meter vor uns. Plötzlich tut gar nichts mehr weh, immer wieder diese Endorphine. Da ist die Ziellinie. Über die Matte und Ende Gelände! Aufpassen wo man hinläuft. Links die Kotze von denen die es übertrieben haben, rechts die jubelnden, die sich alles gut eingeteilt haben. Die Medaille umgehängt und langsam aus dem Zielbereich herausgehen. 3:21:09h, das geht natürlich mehr als in Ordnung. Wir holen uns was zu trinken und gehen Richtung Reichstag. Wenn ich mich jetzt auf die Wiese setze, komme ich dann wieder auf? Egal, einfach probieren. Wo sind die anderen? Micha war schon vor uns im Ziel, kurz nach uns kam Mic, Thomas hatte mit Krämpfen zu kämpfen. Aber auch er kam heile an. Genau wie alle anderen der MaliCrew. Wir sitzen vorm Reichstag und tauschen uns aus. Mittlerweile scheint die Sonne, als hätten wir sie bestellt. Wir reden über Hamburg, nächstes Jahr, wir haben schon Bock. Mal sehen, was kommt. Aber ich würde schon gerne nochmal Kilometerschilder zählen...

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Endspurt ins Ziel

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Mic, Micha, Mario und ich.
Die MaliCrewler wieder zusammen.

Montag, 19. September 2022

Kuckuckslauf Kemmern

StadtLandWald Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Kuckuckslauf Kemmern
Und ab! Startschuss zum Kuckuckslauf in Kemmern!
Foto: SC Kemmern

"Hau mir jetzt bloß nicht ab..." Es ist Kuckuckslauf in Kemmern, nicht mehr allzu weit zum Ziel und Julian, der seit ungefähr 6km neben mir rennt, schaut leicht lächelnd rüber. "Ich versuch's" sagt er und dann ist es wieder still um uns. Was gerade in seinem Kopf vorgeht weiß ich nicht, aber ich weiß was in meinem vorgeht: ich bin schon die ganze Zeit verdammt dankbar ihn hier neben mir zu haben. Das Tempo würde ich alleine nicht laufen. Aber so zieht man sich gegenseitig voran. Wieder rechts rum auf die lange Gerade und dann ab in die letzte Runde. Unsere Jungs von der MaliCrew haben sich positioniert. Als erstes steht da Roland und motiviert. Etwas weiter vorne hat Hans-Jürgen nach jeder Runde einen mutmachenden Spruch drauf. Danke dafür! Andreas schießt 200m weiter vorne Fotos und feuert kräftig an. Das macht Bock. Auf der Strecke ist Stimmung. Die Start/Ziel Gerade geht steil. Trommeln und klatschende Hände peitschen einen nach vorne. Die vorletzte Runde ist vorbei. Nur noch zwei km, eine letzte Runde. Die Bedingungen passen. Vor einer Weile hat's noch nach Schüttregen ausgesehen. Aber die Wolken halten alles noch recht gut oben. Kühl ist es, nicht so warm wie zuletzt in Ebermannstadt. Auch das geht in Ordnung. Julian zieht vorbei. Der will nochmal Tempo machen. Das werd ich nicht mehr mitgehen können. Ich schaffe es mich trotzdem nochmal ranzulaufen und bin wieder neben ihm. Wir halten das Tempo und haben es nicht mehr weit. Welchen Schnitt wir laufen weiß ich nicht, ich schau nicht nach. Ich weiß nur dass es deutlich schneller ist als alles, was ich bisher gelaufen bin... Heute passt irgendwie alles. Hier in Kemmern lässt es sich ohnehin aushalten. Sehr schöne Siedlung, die wir fünfmal durchqueren dürfen. Ein paar schöne Fachwerkhäuser auf der Zielgeraden. Sehr flache und schnelle Strecke. Schon zum aufwärmen haben Micha, Teodor und ich eine Runde gedreht und den Ort begutachtet. Das wird Spaß machen! Auf der Fahrt hierher war die Motivation allerdings noch im Keller. Regen ohne Ende auf der A70. Das hat nichts gutes vermuten lassen. Angekommen war das Wetter aber plötzlich egal, denn schon der Lauf der Kids hat beim zusehen einfach Bock gemacht. Genauso wie die 4km des Jugend- und Hobbylaufs im Anschluss. Die Sambatrommeln machten einen heiß auf die Sache hier, und es ist nur noch leichter Regen, den man beim laufen ohnehin nicht bemerkt. Einreihen ins Starterfeld, Fistbumps: Micha, Berthold, Teodor. Nach dem Startschuss steppt hier der Bär. Da sind Raketen im Feld. Ich versuche das Tempo zu laufen, welches ich mir vorgenommen habe. Mal nicht überpacen hier. Hier und da noch jemanden überholt laufe ich Gefahr, wie sonst gelegentlich, plötzlich wieder alleine durch die Gegend zu rennen, und das kostet mental echt Kraft. 

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Endlich mal nicht alleine.
Foto: SC Kemmern

Nach einer Weile höre ich wieder Schritte hinter mir und auch der nächste Läufer vor mir ist nicht allzu weit weg. Not alone here. Alles klar, häng dich ran, bleib dran so gut es geht und mach keine Experimente denke ich mir. Neben mir taucht das graue Shirt von Julian auf und der läuft genau das gleiche Tempo. Er bleibt neben mir und macht nicht den Eindruck es abreißen zu lassen oder weiterziehen zu wollen. Nice. Vorne einer der zieht, links einer der hält, hinten einer der Druck macht. Schauen dass es so bleibt, dann geht hier was in Sachen schicke Zeit. Das da vorne, neben dem Frauen Fürhrungsrad, muss Ingalena Heuck sein. Krass, die ist gar nicht weit weg. Was passiert hier gerade? Nach 5km bin ich immernoch auf Kurs meine Marke vom Kramp Run zu unterbieten. Wieder durch die Start/Ziel Gerade, die MaliCrewler feuern an, das gibt Schwung den man mitnehmen kann. In zwei Kilometern hast du das wieder. Das dauert nicht lange. Das macht echt Bock hier. In der Siedlung draußen stehen Kids, die abklatschen wollen. Auch das gibt Körner. Leute machen Musik, klatschen. Auch hier nimmt man immer wieder Kraft mit. Noch zwei Runden und wir laufen weiter, halten das Tempo. Die Beine wollen einfach nicht schwer werden. Soll mir Recht sein.

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Mit Julian durch die Start/Ziel Gerade
Foto: SC Kemmern

Nach 7 Kilometern ein kleines Tief, jetzt nicht an irgendwas unnötiges denken. Schnell die Gedanken wieder in die richtige Richtung lenken und dranbleiben. Ich kann Ingalena Heuck da vorne immernoch sehen. Das Führungsrad neben ihr scheint näher zu kommen. Täuscht. Egal. Es geht in die letzte Runde. Ich merke dass Julian hier nochmal was raushauen will. Der wirkt echt noch frisch. Er entfernt sich langsam. Dranbleiben. Ich merke wie das Tempo schneller wird. Er schaut nochmal rüber, er will wegziehen. "Also wenn du hier heute noch was vorhast, kannst du meinetwegen los..." sage ich. Bis dann. Er zieht davon. Ein Stück geh ich noch mit, will mich aber nicht auf den Schluss zu abschießen. Das war bislang so genial gleichmäßig, den Tritt möchte ich halten. Julian ist weg und ich laufe das letzte Stück alleine durch die Zielgerade. Ich kann das richtig genießen. Bestzeit und wohl gar nicht so weit hinten. Links rein und ab über die weiße Linie stoppe ich die Uhr. 37:08min. Auf 10,23km. Laut Uhr war meine 10k Durchgangszeit bei 36:14min. Hätte ich vorhin auf der A70 nie gedacht. Da steht Julian im Ziel. Abklatschen. Durchschnaufen. Wir reden kurz miteinander, auch er lief heute eine neue PB. Glückwunsch! War cool neben dir! Vielleicht LÄUFT man sich mal wieder über den Weg. Hat echt Spaß gemacht! Roland und Hans-Jürgen sind da. Andreas kommt dazu. Die Endorphine kochen immernoch geilstes Żurek in meinem Kopf. Ein kurzer Plausch mit Ingalena und da kommt schon Teodor mit PB ins Ziel gebrettert. Kurz darauf kommen auch Berthold und Micha ins Ziel. Micha ebenfalls mit neuer PB! Glückwunsch nochmal an dieser Stelle! Geht da heute was in der Teamwertung? Am Ende steht für mich Platz 8, Platz 1 in der AK M30 und für uns ein genialer dritter Platz mit der MaliCrew auf dem Papier. Das war der Hit heute! Aber nicht zu lange rumstehen. Es wird kühl. Umziehen. Ab zum Sportheim. Allergeilster Kuchen: großes Lob, Leute. Vielen dicken Dank Kemmern. So kann das hier gerne Enden! Zuhause eine warme Dusche und ich bin wieder ein Mensch. Und what's next? Beim Dienstagslauftreff mit der MaliCrew wird auf jeden Fall erstmal ein ruhiger gemacht, denn am Sonntag steht der Berlin Marathon auf dem Plan. Da hab ich dann, wie Sonntags gewohnt, wieder Micha neben mir.

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Ab ins Ziel!

Mittwoch, 7. September 2022

MaliCrew goes Fränkische Schweiz Marathon...

Laufblog Laufen in Bayreuth und anderswo | Fränkische Schweiz Marathon Ebermannstadt
Team MaliCrew goes Ebermannstadt

Ring-a-Ding, Ring-a-Ding schellt es vom Nachttisch... Es ist noch echt früh und der Wecker klingelt. Um 05:00 Uhr ist Zeit zum aufstehen. Viki ist direkt aufgerannt und macht sich was zu essen. Ich brauch noch fünf Minuten um drüber nachzudenken, warum man sich sowas am Sonntag gibt. Der Heilige Tag, zum chillen gedacht. Aber für uns, für die MaliCrew, stand heute der Fränkische Schweiz Marathon auf dem Plan. Nicht nur für uns, sondern für viele andere auch. Ich steh auf und wackel in die Küche. Kram aus dem oberen Fach meine Müslischale raus und füll sie mit meinem Selfmade Hafer-Kürbiskern-Leinsamen-Nussmischungs-Veganeseiweißpulver-Banenscheiben-Müsli auf. Dazu ein großer Schuss Hafermilch. Durchrühren und ein paar Minuten ziehen lassen. Schmeckt bestens! Danach bin ich schon wacher. Jetzt noch ordentlich hydrieren und dann läuft der Kreislauf auch schon wieder auf vier Töpfen. Kurz nach 06:00 Uhr das finale packen. Getränke, Riegel, Handtuch, was man eben so braucht... Tina und Niko stehen punkt 06:30 Uhr bereit, uns einzusammeln. Los gehts, Micha holen, der darf nicht fehlen. Alle an Bord und ab nach Ebermannstadt. Jetzt ist es hell. Neblig ist es auch, sieht toll aus. Macht schon Sinn so früh loszufahren, dann kann man die Bundesstraße noch nutzen, denn die wird in etwa drei Stunden nur noch berannt. Von Genussläufern, Pacern, Marathonneulingen, 10km-ballerern, Verrückten und Halbmarathonis, die um die Bayerische Meisterschaft laufen. Dazu kommen die Handbiker und ganz neu im Programm: Run and Bike. Es darf also ein überaus interessantes Programm erwartet werden. Wir kommen an und sind die ersten von unserem Trupp. Nach und nach trudeln aber auch die restlichen von der Gang ein. Es wird sich ausgetauscht, motiviert, angeheizt, durchgerechnet wann wer bereit stehen muss und es liegt ein Hauch von Nervösität in der Luft. Man macht sich allmählich zurecht. Die ersten Laufen sich warm, die nächsten gehen auf Ihre Positionen, in Ebermannstadt, in Muggendorf. Alles durchgetaktet. Der Plan steht und sieht gut aus. Wir haben hier drei Marathonstaffeln am Start. Eine reine 5er Ladiesstaffel mit Anja, Viki, Tina, Ines und Steffi, unsere 5er Mixed Staffel mit Roland, Micha, Niko, Tina und mir, und dann gibt sich Roland das ganze mit Thomas nochmal in ner Zweierstaffel. Dominik läuft den Marathon und Berthold und Podde hauen nen zehner raus, während sich Jürgen, Christin, Johannes und Gerd den Halbmarathon vornehmen. Das wird nice. Der Start rückt näher, noch ist es recht angenehm, was die Temperaturen angeht. Roland, Anja und Thomas sind unsere Startläufer für die Staffeln. Ab geht das. Wir warten an der Strecke. Etwas später, als dritter und nicht allzu weit hinter dem ersten Marathonläufer übergibt Roland das Startnummernband an Tina und sie macht sich auf und davon um es an Micha weiterzureichen. Auch Anja lässt nicht lange auf sich warten und kommt als führende unter den Frauenstaffeln auf Viki zugerannt, die sich auf den Weg nach Muggendorf macht. Dort wartet Tina dann im Anschluss an Ihren ersten Abschnitt und macht in der Frauenstaffel direkt weiter. Auch Roland ist direkt weitergezogen, der übernimmt später das Band von Thomas für die Zweierstaffel. Mitgekommen? So geht Staffel heute😀. Nach den ersten Staffelübergaben, warten. Anja und Hans-Jürgen leisten mir beste Gesellschaft. Wir klatschen und feuern die Läuferinnen und Läufer an. Man sieht bekannte Gesichter: Die Sonntagsläufer sind da. Und WOW! Ein Mann aus dem Jahrgang 1940 läuft hier den Halbmarathon und wird am Ende noch 16 Läufer/innen hinter sich lassen. Respekt! Ich warte bereits ungeduldig auf Niko, der Micha ablösen wird. Nervös? Ich suche gefühlt 10x das Dixi auf. Na TOI TOI (TOI), das kann was werden... 
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Mit Tina, Niko und Micha
Foto: Andreas Klupp
Es wird wärmer und es sind kaum Wolken am Himmel. Ich kenn die Wendepunktstrecke die ich laufen muss. Sehr exponiert. Sehr warm und langgezogen. Ein paar Wolken wären toll, aber das wird heute wohl nichts mehr. Egal, warmmachen. Den Radweg auf und ab, während die Aufregung steigt. Podde hat den zehner durch und gesellt sich zu uns. Neben uns macht sich eine weitere Staffel bereit. Der Schlussläufer wartet auf seinen Einsatz, genau wie ich. Das ist krass spannend. Wann kommt Niko? Wann findet bei den anderen die Übergabe statt? Da kommt ihr Mann, abklatschen, Uhr starten und weg. Ich schau ihm hinterher, nicht mehr zu sehen. Der ist weg. Man munkelt es sei eine reine Männerstaffel, das wäre natürlich top. Dann hätten wir als Mixed noch Chancen auf den Sieg, denn sonst kam noch keine andere Staffel vorbei. Niko kommt nach starkem Fight angerannt, abgeklatscht, Nummerband rum, Start drücken und ab! Durch Ebermannstadt über die Startlinie und gleich gemerkt, dass ich viel zu schnell los bin. 03:30/min ist etwas gut gemeint. Also nehm' ich ein wenig raus und versuche mich bei 3:45-3:50/min einzupendeln. Nach Ebermannstadt ist es vorbei mit dem Schatten und die Sonne knallt mir aufs Gesicht. Dazu eine Brise Gegenwind. Aber hier und da wird man von Radfahrern und Spaziergängern vorangetrieben. Das motiviert. Die Strecke zum Wendepunkt nach Weilersbach zieht sich. Vor mir niemand, hinter mir niemand. Schon wieder allein unterwegs. Geht das nur mir so? Sicher nicht, denn da kommt mir der Schlussläufer von eben entgegen. Vor ihm und hinter ihm ist auch tote Hose. Niemand da, an den man sich hängen kann, macht jeder von uns sein eigenes Rennen. Wir grüßen uns und rufen uns zwei, drei motivierende Worte zu. Es wird gefühlt wärmer. Der Wendepunkt ist zu sehen, ab da vorne gehts wieder nach Hause. Der Sprecher liest unsere Startnummer vor, sagt wir sind auf Platz zwei. Wie krass, wie geil wär das denn hier wenn wir echt zweiter würden, geht mir durch den Kopf. Weiter gehts. Ich versuch die Leute zum Dampf machen zu bewegen, und mir damit ein wenig ihrer Anziehungskraft als Schwung bis nach Ebermannstadt zu nutze zu machen. Das zieht, sie feuern an und machen Lärm. Es geht zurück, keiner kommt mir entgegen, also keiner hinter mir. Da geht heute was! Tina und die Jungs haben eine Bomben Vorarbeit geleistet. Wehe du brichst dir jetzt den Haxen, denke ich als nächstes. Bis km 7 kann ich gut die 3:50/min halten. Dann zieht mir die Sonne laaaangsam den Stecker. Kurz rausnehmen, wieder anlaufen. Bis nach Ebermannstadt ist es nicht mehr weit und ich seh schon die Bäume am Ortsrand. Die werden mir gleich dankbarst Schatten spenden. Endlich bin ich raus aus der Sonne. Dominik, Ines und Roland kommen mir entgegen. Das tut gut, vertraute Gesichter zu sehen, denn die Beine werden langsam schwer. Die letzten paar hundert Meter und ich hör schon den Sprecher am Zieleinlauf. Die Musik, die Leute. Da kommt Tina auf die Straße gerannt und reiht sich links neben mir ein. Kurz darauf Micha von der rechten. Endorphine, Dopamin, Serotonin, Adrenalin und was es noch so alles gibt, hauts mir durchs Rückenmark, den Kopf, quer durch die Lunge und über das Herz direkt in Beine. Niko ist jetzt auch da. Wir rennen zusammen, dicht vorbei an den Pompons der Cheerleader, ins Ziel.
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Am Ende gings aufs Treppchen...
Ich bin immernoch der Meinung dass wir zweiter sind, hörte sich in Weilersbach ja noch so an. Aber das hält nicht lange, denn der Zielsprecher ist da anderer Meinung. Die Staffel vor uns war tatsächlich eine reine Männerstaffel. Als Mixed Team haben wir das Ding heute also gewonnen! Mit einer Zeit von 2:48:09 netto stehen wir ein paar Stunden später oben auf dem Treppchen. Kurz davor durfte unsere Mädelsstaffel auch ganz nach oben, denn die haben mit 3:29:50 ebenfalls den ersten Platz abgeräumt! Sehr gelungenes Ding also! Als morgens der Wecker geklingelt hat, hab ich mich kurz noch gefragt, warum man sich sowas am Sonntagmorgen gibt. Stunden später ist klar, dass man für sowas gerne aufsteht. Das wird noch eine ganze Weile nachklingen, an sowas kann man sich gerne zurückerinnern. Fakt ist schon jetzt: wir kommen wieder! Und kurz nach dem Endspurt in Ebermannstadt, steht schon der nächste an. Die Vorbereitung auf den Berlin Marathon geht in die Endphase. Aber vorher kommt noch der Kuckuckslauf in Kemmern. Auch dafür würde ich gerne wieder früh aufstehen.


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...auch für unsere Mädelsstaffel
Foto: Andreas Klupp

Freitag, 2. September 2022

Was mitnehmen für den Wochenendtrip?

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Am Großen Arber

Im Juni diesen Jahres war ich drei Tage am Goldsteig auf einem Trailrunning Abenteuer unterwegs. Insgesamt waren auf der Tour über 75 Kilometer mit zusammengenommen 3.625 Höhenmetern auf dem Plan. Das sind pro Tag in etwa 25km mit ca. 1.200hm. Manch eine/r, der/die die komplette Strecke an einem Tag absolviert, wird sich denken, dass das auf drei Tage aufgeteilt allenfalls drei schöne Trainingseinheiten sind. Für mich war es aber mehr: Ich wollte mich nicht hetzen, die Natur zu genießen und sehen wie ich mich nach drei Tagen auf und ab und nach drei Gipfeln fühle. Vielleicht auch um einen Vorgeschmack zu bekommen, was ich sonst noch anstellen könnte? Mal sehen was noch kommt. Den Goldsteig bin ich bislang nur erwandert. Aber ein ganzes Stück von ihm zu laufen, das hatte schon nochmal mehr. Beim wandern ist es jedoch auch kein Problem mal einen Rucksack mit 10 oder 12 Kilo auf dem Rücken zu haben. Das wollte ich beim laufen aber unbedingt vermeiden. Durch viele Wanderungen, auch über mehrere Tage, habe ich mit der Zeit gelernt nur das mitzunehmen, was wirklich nötig ist. Das ging so weit, dass ich, wenn es zum Beispiel ein paar Wochen auf Montage ging, irgendwann stets den kleinsten Koffer dabei hatte und von den Kollegen nur belächelt wurde. Aber eigentlich schleppten die anderen nur viel zu viel mit sich rum. Vieles von dem, oft das meiste, was man mitnimmt, braucht man gar nicht. Da kam mir die Erfahrung zugute. Was ist also nötig, auf so einer Tour? Und wie bereitet man sich darauf vor? Für die Läuferische Vorbereitung habe ich mir gar nicht so viele Gedanken gemacht. Höhenmeter sammeln und entspannt laufen. Bei uns ist es recht hügelig. Da kommen auf einen Halbmarathon schnell mal 400hm und mehr zusammen. Wenn man dann noch einen größeren Anstieg in der Nähe hat, läuft man den eben mehrmals auf und ab, damit trainiert man den Körper auch gut auf die Wechselbelastungen im Gelände. So habe ich zum Beispiel den höchsten Anstieg auf meiner Hausrunde sieben oder acht mal nacheinander erklommen, war bei uns im Fichtelgebirge laufen und habe einige längere Einheiten als sonst gemacht. Aus zehnern wurden 15-17km. Aus Halbmarathons wurden 25-27km. In der Woche kamen dann stets so in etwa 70-80 km zusammen und gut 1.000hm. Das hat sich als Vorbereitung schon ganz gut bewährt. Auch wenn ich an Tag eins meines Kurzabenteuers wohl einen schlechten Start erwischt habe. Krämpfe und mehr nach knapp 20km kannte ich sonst nicht. Krämpfe im allgemeinen hatte ich eigentlich noch nie wirklich, höchstens früher mal einen Wadenkrampf am Abend nach dem Kicken mit Freunden. Und da geht's auch schon los. Wie kann man dem vorbeugen? Da ist natürlich zum ersten die besagte Höhenmeter-Lauferei die beste Vorbereitung. Zum zweiten, und das habe ich wohl verschwitzt (im wahrsten Sinne des Wortes) sind die Elektrolyte: Salz, Magnesium, Calcium, etc. Ich habe am ersten Tag extrem viel geschwitzt, dadurch natürlich auch sehr viele Elektrolyte verloren und in meinen beiden Soft Flasks war lediglich Wasser, welches mir dann ohnehin zu allem Überfluss auch noch leer wurde. Morgens schon zu wenig getrunken, unterwegs zu wenig nachgefüllt: Stecker draußen.

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An jeder Quelle Wasser auffüllen

Die Etappe war sehr anstrengend und die Hitze sorgte für die Dehydrierung, die mir dann zum Verhängnis wurde. Als ich dann mein Magnesium genommen hatte, war es schon zu spät. Was hätte ich also besser machen können? Normalerweise habe ich auf langen Läufen (vor allem wenn es sehr warm ist) immer mal meinen Laufrucksack mit Wasser dabei. Im Wasser dann eine Prise Salz, die man nicht zwingend schmecken muss, ist da schon die halbe Miete. Ich hätte auch im vornherein testen sollen, wie mir eine Magnesium/Calciumtablette im Wasser bekommt. Verpflegungsstellen gab es unterwegs nur zwei, und zwischen denen lagen einige Kilometer mit vielen Höhenmetern. Ein Extra Pack Wasser im Rucksack wäre also durchaus sinnvoll gewesen. Ich habe mich auch zu sehr darauf verlassen eine Quelle zu finden. Ich wusste ja wo eine ist, aber da ich mich verlaufen hatte, hab ich sie leider umgangen und stand dann irgendwann ohne Wasser da. Also: lieber etwas mehr Gewicht dabei haben als sich am Ende nur noch zu quälen, denn der Anstieg zum Großen Arber, mit krampfenden Beinen und Gewitter im Nacken, war alles andere ein entspannter Lauf. An Tag zwei und drei hatte ich dann zusätzlich eine 0,5l Flasche Wasser und eine 0,5l Flasche Iso dabei. Und siehe da: keine weiteren Probleme. Soviel zum trinken. Und das Essen? Das ist eigentlich das geringste Übel. Da kommt man schon mit ein paar Riegeln gut zurecht, denn auf so einer Tour kann man Abends einkehren und morgens ausreichend Frühstücken. Da sind wir auch schon beim nächsten Punkt: die Unterkunft. Natürlich sollte man sich im voraus schlau machen wo man übernachten kann, wenn man keine Lust hat auch noch einen Schlafsack oder ein Tarp mitzunehmen. In meinem Fall konnte ich auf dem Großen Arber und auf dem Falkenstein jeweils in der Hütte schlafen und dort auch Morgens und Abends gut essen. Somit war Hunger gar kein Problem. Einfach loslaufen auf gut Glück ist dennoch eher suboptimal, aber das versteht sich von selbst. Denn auch das Wetter kann schnell umschlagen. Sich über Schutzhütten zu informieren ist also durchaus sinnvoll. Und was hab ich alles mit auf die Tour genommen? 

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So viel wie nötig, so wenig wie möglich

Unterm Strich: nur das nötigste. Und ich habe wiedermal gemerkt, dass ich selbst davon schon etwas zuviel dabei hatte. Zu meiner ca. 3kg schweren Ausrüstung zählte:

- Laufrucksack
- zwei Soft Flasks (je 0,25l)
- Cap gegen die Sonne
- 2x Tank Top
- 2x Laufhose
- 2x Laufsocken
- Longsleeve falls es mal frischer wird.
- Mikrofaser Handtuch
- Taschentücher
- Kamera
- Powerbank und Multistecker Ladekabel
- Zahnbürste, gekürzt um Platz zu sparen
- Duschgel, Sonnencreme, Hautcreme, Waschmittel & Zahnpasta im Miniaturformat (gibts im Drogeriemarkt)
- Schweizer Messer (Model Walker: Klinge, Säge & Flaschenöffner reichen völlig aus)
- Geldbeutel mit Bargeld, EC-Karte, Krankenkarte, Ausweis und Führerschein
- Erste Hilfe Set (2x Mullbinde, Pflaster, Zeckenzange, Blasenpflaster, Verbandtuch, Schmerztabletten)
- Verpflegung (Riegel, Nüsse, Magnesium etc.)
- Laufuhr, Schuhe, Smartphone

Und was davon war jetzt Luxus? Wenn man sich die Liste mal so ansieht, sieht das gar nicht viel aus. Doch in der Tat hätte ich mir auch hier etwas wegsparen können. Zwei Hosen waren schon sinnvoll, denn nach dem Lauf und der Dusche auf der Hütte eine frische Hose zu haben darf man sich schon gönnen. Ersatzshirt fand ich daher auch wertvoll dabei zu haben. Genau wie die Wechselsocken, man rennt eben doch schnell mal ins Wasser und hat nasse Füße. Auch das Longsleeve hat sich als sinnvoll erwiesen, denn ein Abendspaziergang auf dem Berg kann auch im Juni/Juli frisch werden. Verpflegungstechnisch hätte ich mir jedoch den ein oder anderen Riegel und die Nüsse sparen können. Auf den Hütten gibt es ja mittlerweile alles was das Herz begehrt, man braucht also nur für unterwegs eine Kleinigkeit, eventuell kann man ja auch mal einkehren. Das Erste Hilfe Set würde ich, obwohl ich (zum Glück) nichts davon gebraucht habe, jederzeit wieder so packen und nichts davon Zuhause lassen. Die Powerbank: kann man haben, muss man aber nicht. Akkus halten lange genug und man daddelt ja nicht die ganze Zeit auf dem Handy rum. Abends in der Hütte kann man dann alles wieder aufladen. Die würde ich also nicht mehr auf die Liste setzen. Hygienetechnisch war die Hautcreme eigentlich auch Luxus, das Waschmittel dafür aber Gold wert. Das Messer habe ich zwar nicht gebraucht, es ist aber besser ein Schweizer dabei zu haben, wenn man es nicht braucht, als keines zu haben, wenn's nötig ist. Die Soft Flasks werde ich mir größer besorgen, oder eben noch eine zusätzliche Flasche Wasser oder Iso mit in den Rucksack packen.
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Und was als nächstes?
Mindestens 1 Liter sollte immer dabei sein. Bei Quellen auf jeden Fall sowieso immer brav auffüllen. Unterm Strich hat das also alles gut gepasst und ich denke dass ich da sogar noch etwas abspecken könnte. Denn hier und da ein paar Gramm, können schon Platz für etwas machen, das nützlicher sein kann, als einige nice to have Gegenstände. Eine Regenjacke zum Beispiel, da hab ich auch gepokert und keine mitgenommen... Man könnte mit diesen Sachen so eigentlich auch deutlich länger als drei Tage auskommen, solange man in der Nähe der Zivilisation bleibt. Soweit so gut also, und was steht als nächstes Abenteuer an? Mir schwebt da auch echt schon was vor... Denn der Test am Goldsteig lief ja schonmal ganz gut 😊. Na mal sehen...